Statt der Pille ein Aspirin zwischen die Knie

Der radikale gesellschaftspolitische Konservativismus der Republikaner verstört amerikanische Frauen. Sogar Empfängnisverhütung ist zum politischen Spielball geworden.

1/6 Die Antibabypille und andere Verhütungsmittel sollen von den Krankenversicherungen der Arbeitgeber bezahlt werden, verlangte die US-Regierung im August 2011 und löst damit eine erregte Debatte aus.
Bild: Keystone

Zeigten sich führende Republikaner nach der schweren Schlappe der Demokraten bei den US-Kongresswahlen 2010 zuversichtlich, Barack Obama im November 2012 nach nur einer Amtszeit aus dem Weissen Haus befördern zu können, so wachsen nun die Zweifel an einem republikanischen Erfolg im Herbst. Denn so erzkonservativ, ja reaktionär gebärdeten sich Teile der Basis sowie die Präsidentschaftsbewerber beim innerparteilichen Ringen um die Kandidatur der Partei, dass vor allem parteilose Wähler vor den Kopf gestossen wurden.

Noch könnte Barack Obama wegen neuerlicher wirtschaftlicher Turbulenzen auf der Verliererstrasse enden, die Republikaner aber sind mit Volldampf dabei, sich selbst zu sabotieren. So etwa bei der politischen Eruption über Geburtenkontrolle und Empfängnisverhütung. Verursacht hatte sie die Obama-Administration, als sie verlangte, die Krankenversicherungen der Arbeitgeber sollten für die Kosten von Empfängnisverhütung aufkommen – was unter anderem bedeutet hätte, dass die Versicherer katholischer Schulen und Krankenhäuser für die empfängnisverhütenden Mittel der Angestellten hätten bezahlen müssen.

Anhörung unter Ausschluss der Frauen

Obschon eine Mehrheit amerikanischer Katholiken entgegen der kirchlichen Doktrin Empfängnisverhütung befürwortet, begannen die katholischen Bischöfe umgehend zu maulen. Obama schlug daraufhin einen Kompromiss vor, was wiederum seine republikanischen Gegner nicht davon abhielt, den politischen Overdrive zuzuschalten: Kongressrepublikaner veranstalteten auf dem Capitolshügel flugs eine Anhörung zu Religionsfreiheit und Geburtenkontrolle, bei der eine Schar männlicher Zeugen, jedoch keine einzige Frau aussagte.

Rick Santorum, der derzeitige Spitzenreiter der vier verbliebenen republikanischen Präsidentschaftsbewerber und ein strenggläubiger Katholik, goss obendrein Öl ins Feuer und warnte vor den Gefahren der Empfängnisverhütung. Schon zuvor hatte Santorum posaunt, Empfängnisverhütung sei «nicht gesund für unser Land», ja Geburtenkontrolle überhaupt «schädlich für Frauen» und «schädlich für die Gesellschaft».

Seltsames Werben um weibliche Sex-Abstinenz

Aber nicht nur der Vater von sieben Kindern liess sich zum Thema aus. Sein wichtigster Geldgeber, der fromme Financier Foster Friess aus dem Weststaat Wyoming, meldete sich gleichfalls zu Wort und warb mit seltsamen Methoden für weibliche Abstinenz: Früher, so Friess, hätten sich Frauen «eine Bayer-Aspirintablette zwischen die Knie» geklemmt – womit wohl gewährleistet werden sollte, dass weibliche Beine sittsam zusammen blieben.

Das lose Gerede verärgerte viele Amerikanerinnen und verstörte manche Republikaner: So liessen sich keine Wahlen gewinnen, da amerikanische Frauen, darunter auch moderat-konservative Wählerinnen in Suburbia, dadurch nur verschreckt würden. Der Rabatz über die Empfängnisverhütung sei nicht gut «in einem Wahljahr», warnte Jennifer Lawless, die Direktorin des Women and Politics Institute an der American University in Washington.

In der Tat: Hatten die Amerikanerinnen 2008 mehrheitlich für Obama votiert, bei den Kongresswahlen 2010 aber für republikanische Kandidaten, so könnten sie nun neuerlich ins demokratische Lager driften – und der Republikanischen Partei eine Niederlage garantieren.

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/Statt-der-Pille-ein-Aspirin-zwischen-die-Knie/story/13315281

 

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