Der König aller Krankheiten

Millionen Menschen haben gegen ihn gekämpft, unter ihm gelitten, doch meistens ging er als Sieger vom Schlachtfeld: der Krebs. Siddhartha Mukherjee, Onkologe an der New Yorker Columbia University hat eine Biographie geschrieben über den König unter den Krankheiten. Das Resultat ist ein Meisterwerk, kein medizinisches, aber ein literarisches. Das Buch wurde mit dem Pullitzerpreis ausgezeichnet.

„So empathisch, so gelehrt, so instruktiv, mit so viel Beherrschung des Gegenstandes und so viel Menschenliebe wird über Krankheit kaum je geschrieben“, schreibt ein Buchkritiker. Er hört sich wie ein Rezensent zu einem Krimi an, der die verstörende Wirklichkeit in einen literarischen Plot ummünzt. Und weiter, „das hindert einen nicht, bei der Lektüre immer wieder fürchterlich zu erschrecken. Nicht bloß vor dem Krebs und seiner Macht, sondern auch vor jenen, die ihn bekämpfen. William Stewart Halsted etwa ersann in den 90er-Jahren des 19. Jahrhunderts die „radikale Chirurgie“ – eine Methode, die darin bestand, immer mehr Gewebe aus Krebskranken zu schneiden, sie fast auszuweiden, um der Krankheit Territorium wegzunehmen. Man erträgt kaum die Erzählungen von jenen Brustkrebspatientinnen, die ihm in die Hände fielen, der sie doch bloß retten wollte und ihnen deswegen die Brüste, das Schlüsselbein, Muskelgewebe und weiß Gott was noch alles vom Leib schnitt.“

Die Biographie des Kampfes gegen den Krebs liest sich wie eine Abhandlung über die historische Entwicklung der Waffentechnologie. Das Böse soll ausradiert werden. Immer modernere Mittel kommen zur Anwendung. Dabei ist das Ziel ist immer gleich: Search and Destroy. Wie Terroristen werden die Krebszellen gejagt, die Kollateralschäden werden mangels Alternativen einfach hingenommen. Doch der Erfolg bleibt dürftig. In den USA ist Krebs mittlerweile nach dem Herztod die zweithäufigste Todesart. Was bleibt ist das ernüchternde Fazit des Autoren: Ein Heilmittel ist eine absurde Vorstellung.

In seinem Buch zieht Siddhartha Mukherjee Vergleiche zu geopolitischen Problemen. Wir gehen mit ihnen um wie mit Krankheiten. Zerstörung soll das Ueberleben sichern, schreibt der Autor. Der Erfolg ist äusserst bescheiden, wie die vielen Schlachtfelder beweisen. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Doch genau dort liegt das Problem. Wir müssen unsere Perspektive ändern. Der Kampf gegen das Böse führt weder zu Frieden noch zu Heilung. Versöhnung hingegen schon, das beweisen zahlreiche Forschungsergebnisse. Mehr dazu in Bist du noch Opfer oder vergibst du schon?: Verstehen heißt Verzeihen

Der König aller Krankheiten: Krebs – eine Biografie
http://blog.zeitenwende.ch/hansruedi-ramsauer/der-koenig-aller-krankheiten/

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s