global news 2611 23-02-12: Was jetzt in Griechenland auf Druck der Gläubiger läuft, ist eine soziale „Sauerei“

http://www.jjahnke.net/rundbr89.html#2611
Statt sich das Geld für die Sanierung des Staatshaushalts wenigstens teilweise bei den zahlreichen reichen Griechen zu holen und das in die Schweiz, nach Großbritannien, Deutschland und sonst wohin steuergeflüchtete Kapital zu verfolgen, werden in Griechenland auf Druck der Gläubiger die Arbeitseinkommen und Renten abgesenkt. Dabei hat das oberste Fünftel ein fast sechsmal höheres Einkommen als das unterste Fünftel (in Deutschland sind es 4,5-mal so viel) – eine Situation, die nur noch von Spanien übertroffen wird (Abb. 15159). Auch nach dem international gebräuchlichen Verteilungsquotienten Gini, bei dem 0 absolute Gleichheit und 100 absolute Ungleichheit bedeutet, liegt Griechenland im Führungsfeld der Ungleichen (Abb. 15720).

An der Spitze des obersten Fünftels rangieren die zahlreichen Millionäre oder Milliardäre, von denen die reichen Reeder steuerflüchtend seit vielen Jahren offiziell in London leben, auch wenn ihre Luxusjachten in Piräus liegen und dort sicher auch benutzt werden. Die 13 reichsten Griechen haben zusammen ein Vermögen von mehr als 10 Mrd Euro und der reichste von ihnen bringt 4 Mrd Euro auf die Waagschale des Reichtums und lebt natürlich in der Schweiz. George Koukis, ein erfolgreicher Software Unternehmer mit 240 Mio Euro im Rücken und Wohnsitz in der Schweiz konnte im deutschen Fernsehen erklären, er sei stolz, Grieche zu sein, denke aber nicht daran, Geld nach Griechenland zu geben: „Warum soll ich mein Geld Menschen geben, die ich als nutzlos betrachte. Andere hier denken wie ich, auch wenn sie es nicht offen sagen.“ Hier das schockierende Video von Report Mainz, das auch die Worte von George Koukis enthält.

Selbst die amtlich berechneten griechischen Steuerrückstände bewegen sich in der Größenordnung von ca. 41 Mrd Euro. Davon sind 90 % bei 6.500 Einzelpersonen und 8.200 Firmen zu finden. Die Regierung in Athen hat nun die Namen von über viertausend Steuersündern ins Internet gestellt. Jeder von ihnen schuldet dem Staat mindestens 150.000 Euro. Bei einem Gesamtvolumen von fast 15 Milliarden Euro sind das fast 7 % des BIP. Doch was nützt hier der verzweifelte Akt im Internet, wenn es nur eine korrupte Steuerverwaltung gibt, die ihren Aufgaben nicht nachkommt?

Also müssen in Griechenland wieder einmal die kleinen Leute für das Sparprogramm bluten. Es sind dieselben die schon seit Jahren bluten und vom Euro rein gar nichts gehabt haben. Die griechischen Arbeitnehmer haben sich von einem relativ niedrigen Niveau ausgehend zwischen den Jahren 2000 und 2010 zwar Lohnsteigerungen von erstaunlichen 38,2 % erkämpft. Doch die Verbraucherpreisinflation war schneller und legte noch um 1,6 Prozentpunkte mehr zu (Abb. 15721). Damit löst sich das Erstaunen schnell wieder auf.

Im Ergebnis haben sich also die ausländischen Produzenten, vor allem aus Deutschland, sowie die einheimischen und vor allem der Importhandel und der Einzelhandel im Lande selbst noch mehr unter die Nägel gerissen, als an zusätzlicher Kaufkraft nominal entstanden war. Obwohl die griechischen Arbeitnehmer von ihren Lohnsteigerungen real gar nichts gehabt haben, müssen sie jetzt noch auf große Teile ihrer real seit 2000 rückläufigen Löhne verzichten. Und die Steuer ist ihnen alle diese Jahre lang, anders als bei den Reichen, ohne Fluchtweg direkt vom Arbeitseinkommen abgezogen worden.

Schlimmer noch: Alle diese Opfer werden umsonst sein. Das Sparprogramm drückt auf die öffentliche und private Nachfrage und läßt die griechische Wirtschaft in den Keller gehen und zugleich die Arbeitslosigkeit explodieren. Die Folge sind weniger Steuereinnahmen und ein höheres Staatsdefizit bei einer absaufenden Wirtschaftsleistung, an der gemessen dann die Verschuldungsquote weiter ansteigt.

Die griechischen Arbeitnehmer haben sich von einem relativ niedrigen Niveau ausgehend zwischen den Jahren 2000 und 2010 Lohnsteigerungen von 38,2 % erkämpft. Damit verlor die griechische Wirtschaft erheblich an Wettbewerbsstärke, beispielsweise verglichen mit Deutschland, wo sich die Gewerkschaften mit weit bescheideneren Lohnsteigerungen von 22,3 % zufrieden gaben.

Doch am Ende waren die griechischen Arbeitnehmer noch schlechter dran als die deutschen. Denn in Griechenland stiegen die Verbraucherpreise im gleichen Zeitraum mit 39,8 % noch um 1,6 Prozentpunkte stärker als die Löhne. Dagegen stiegen sie in Deutschland nur um 17,3 % und damit um 5 Prozentpunkte weniger als die Löhne (siehe Abb. 16784).

In Griechenland haben sich also die ausländischen Produzenten, vor allem aus Deutschland, sowie die einheimischen und vor allem der Importhandel und der Einzelhandel im Lande selbst noch mehr zurückgeholt als an Lohnsteigerungen vorhanden war. Die griechischen Arbeitnehmer haben damit von ihren Lohnsteigerungen real gar nichts gehabt und müssen jetzt noch auf große Teile ihrer real seit 2000 rückläufigen Löhne verzichten. Wo sind die Lohnsteigerungen der Griechen also geblieben? Antwort: in ausländischen und griechischen Taschen reicher Händler und Lieferanten. Soweit es Griechen sind, haben sie ihre hohen Profite weitgehend an der Steuer vorbei manövriert oder steuerflüchtig ins Ausland verbracht. Dagegen haben griechische Arbeitnehmer (wie auch deutsche) die Steuer direkt vom Lohn abgezogen bekommen.

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