Wo bleibt der Dollar?

Die Frage, wo denn seine Steuermark genau verblieben sei, stellte einst Hape Kerkeling auf bekannt unnachahmliche Weise. Deutsche Politiker waren wie bei anderen inhaltlichen Fragen wie gewohnt sprachlos, so wollte denn auch niemand sagen, in welchen Töpfen die kleine Mark verfeuert wurde. Falls Sie sich fragen sollten, wo der Steuerdollar im vergangenen Jahr geblieben ist, so hilft ein Blick in die hübschen Bilder der US-Behörden…

Zumindest in aggregierter Form sind die Einnahmen und Ausgaben eines jeden Staates verfügbar. Besondere Mühe geben sich dabei dankenswerter Weise die Behörden der Vereinigten Staaten, während die Benutzerfreundlichkeit europäischer Datenbanken eher bescheiden ausnimmt.

Klar ist, alles Geld stammt von den Bürgern, ob sie es nun als persönliche Steuern oder durch die Belastung der Unternehmen stammen. Werfen wir einen Blick auf die Verteilung der Geldquellen.

Die Einnahmen des Staates werden von der Besteuerung der privaten Einkommen und der Unternehmen sowie den Sozialabgaben bestimmt. Insgesamt quetschte das amerikanische Schatzamt 2011 die Summe von 2.300 Mrd. Dollar aus seinen Bürgern, das sind etwas mehr als $7.400 pro Einwohner. Ausgegeben wurden hingegen pro Kopf mehr als $11.600. Wohlgemerkt, das ist lediglich die Betrachtung der staatlichen Deckungslücke, private Schulden und Kredite der Unternehmen sind nicht enthalten.

Wofür wurden die Gelder im vergangenen Jahr ausgegeben. Die Ausgaben werden in mandatory und discretionary spending aufgeteilt. Ersteres ist durch Gesetzte mehr oder weniger festgelegt, die diskretionären Ausgaben sind zumindest theoretisch variabler. Inwiefern Posten wie die Kosten für den militärischen Apparat nach unten hin flexibel sind, mag jeder für sich beurteilen.

Die Summe, die für mandatory spending und Zinsen aufgewendet wird erreicht mittlerweile in etwa die Höhe der gesamten Einnahmen. Sämtliche Aufwendungen für Verteidigung und andere diskretionäre Posten sind somit schuldenfinanziert. So ist es vermutlich schon so manchem nicht mehr wohlgefälligem Staatschef samt ein paar hunderttausend Zivilisten geschehen, dass man die Bomben, die man auf den Kopf bekam, über Umwege selbst finanziert hatte…
Während Oma und Opa noch davon ausgingen, dass knappe Kassen sich irgendwann auch im Ausgabeverhalten widerspiegeln müssen, so ist der moderne US-Finanzamtschef gegenteiliger Ansicht. Frei nach dem Motto, das bisschen, was wir uns leihen müssen, können wir auch drucken, wird im Team mit Fed-Chef Bernanke das finanzielle perpetuum mobile gesucht.

Immer weniger produzieren und dennoch immer mehr ausgeben, so lautet die Theorie der Dienstleistungsjünger. Offensichtlich gehen die Damen und Herren tatsächlich davon aus, dass sich eine Ökonomie damit über Wasser halten kann, wenn zwar niemand Kaffee herstellt, aber alle oft genug bei Starbucks einen Cappucino ordern. Tja, wer die Weltreservewährung drucken kann, ist offensichtlich klar im Vorteil, denn rein ökonomisch ist mit einem derartigen Gebaren langfristig kein Blumentopf zu gewinnen.

Abgesehen von diesen bitteren Lektionen des Weltgeschehens wirkt eine Gegenüberstellung aller Einnahmen und der mandatorischen Ausgaben geradezu skurril. Die große Wirtschaftsmacht nimmt gerade einmal so viele Steuergelder ein, dass die Gelder für Sozialversicherung, medizinische Versorgungsprogramme und sonstige Hilfs- und Stützungsprogramme ausreicht. Den Rest stemmt man aus dem globalen Dispokredit. Das hartnäckige Gerücht, in den USA würde wenig für Gesundheit auszugeben und es bedürfe einer Krankenversicherung europäischen Vorbilds stimmt nicht so ganz. Die Ausgaben im Gesundheitssektor sind in den Staaten sogar außerordentlich hoch und wie die Zahlen zu Medicare und Medicaid in der obigen Grafik zeigen, sind die Kosten in Relation zu den Steuereinnahmen geradezu gigantisch.

So sehen Ratgeber und Hauptmitglieder des IWF aus, die anderen Ländern schlaue Ratschläge erteilen, wie sie ökonomisch vorzugehen haben? Das ist geradezu ein grandioser Treppenwitz der neueren Geschichte. Mehr Steuern zu erheben, wäre allerdings per Saldo ebenfalls keine gute Idee, denn seit einigen Quartalen geben die US-Bürger mehr für den Konsum aus, als sie insgesamt ohne die oben erwähnten Transferzahlungen des Staates einnehmen. Das hat es in dieser Form noch nie gegeben. Kredite fördern so nicht mehr das Wachstum sondern dienen als finanzielle Schwimmreifen, um den Lebensstandard noch ein Weilchen so zu halten, wie er einmal war. Von Einsicht keine Spur, und ohne Einsicht besteht bekanntlich keine Aussicht auf Besserung. Na dann, gute Genesung, Onkel Sam!

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