Wie bitte, Herr Wittmann? «Weg mit den Schulden!»


Der Buchautor und frühere Professor Walter Wittmann über Korrekturen an den ­Aktienmärkten, sein Krisenmanagement und die ­Notwendigkeit eines Lebensmittel-Notvorrats.

BILANZ: Die Titel Ihrer Bücher lauten: «Das globale Desaster», «Staatsbankrott», «Superkrise». Lieben Sie Katastrophen?

Walter Wittmann: Nein, mich interessiert die Realität.

Wie bitte? Wo ist die Superkrise?

Wir haben seit 2007 die Immobilienkrise: Sie ist nicht ausgestanden. Dann kam die Finanzkrise: nicht ausgestanden; dann die Schuldenkrise in Europa, Japan und den USA: nicht ausgestanden; jetzt die Rezession in Europa: nicht ausgestanden. Da passt der Titel «Superkrise».

Negativtitel verkaufen sich besser, richtig?

Ich schreibe nicht wegen des Geldes, da liegen Sie falsch. Reich wird man damit ohnehin nicht. An den ersten 2000 Exemplaren jedes verkauften Buches verdiene ich nichts. Erst danach kommt etwas Weniges zusammen.

Wie viel ist etwas Weniges?

Vom «Staatsbankrott», einem nationalen Bestseller, habe ich 8000 Stück verkauft und dafür vom Verlag 12 000 Franken gekriegt. Ich will Bücher publizieren, die mich interessieren, reich werden will ich damit nicht.

Die Risikoprämien für Italien oder Spanien sinken, die Börse in der Schweiz legt zu. Schlechte News für Sie?

Nachdem die Börsen zuerst völlig überverkauft waren, sind sie jetzt total übergekauft. Eine Kurskorrektur wird nicht ausbleiben.

In welchem Umfang?

Ich schaue immer auf den Moving Average Convergence-Divergence Indicator (MACD), der die Aktienpreise analysiert. Er zeigt, dass es Korrekturen geben wird. Wir sehen regelmässig dasselbe Muster: Im Januar wird gekauft, im Februar überreagiert, im März korrigiert, ab Mai – nach den Quartalsergebnissen – ziehen die Kurse wieder an.

Sie raten zu einem Lebensmittelnotvorrat. Ihr Ernst?

Wenn wir einen mehrtägigen Stromunterbruch haben, wird die Versorgung mit Wasser knapp. Ausschliessen kann man das nicht. Ich rate auch zum Abbau von Hypotheken und Schulden.

Die Tiefzinsphase wird anhalten.

Richtig. Aber für Geld kriegt man auf der Bank ein Viertelprozent, und für Hypotheken zahlt man zwei Prozent – also lautet meine Devise: Weg mit den Schulden!

Heisst Ihr nächster Buchtitel «Der Untergang»?

Nein. «Die freie Marktwirtschaft – und was sie angerichtet hat».

Walter Wittmann: Der gebürtige Bündner war in Freiburg Professor für Finanzwissenschaften. Der 76-Jährige ist ein gefragter Buchautor. Sein neustes Buch heisst «Superkrise».
Quelle: Bilanz

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