Mutmaßungen über May

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Schreiben, schreiben, schreiben. Wie sich einer am Schopf der eigenen Fantasie aus dem Sumpf zog

… und zu einem der größten Erfolgsdichter wurde: zum hundertsten Todestag von Karl May.

So viel steht fest, dass er am 25. 2. 1842 in Ernstthal, einem Nest am Rand des Erzgebirges, geboren wurde. Und dass er am 30. 3. 1912 in Radebeul bei Dresden starb. Übrigens nur eine Woche nach seinem letzten Vortrag in den Wiener Sofiensälen. Dieser März wird ein starker May-Monat.

Gewiss, man kann Karl May als eine nebensächliche Figur betrachten. Er selbst war dazu geneigt, sich als die hauptsächliche Figur zu sehen. Dass Autoren und Autorinnen Egozentriker sind, deren Schreiben obsessiv um ihre eigene Person kreist, ist nicht außergewöhnlich. Und dass sie, wenn sie ICH schreiben, von der Leserschaft und sogar von der Kritik mit ihren Protagonisten verwechselt werden, kommt vor.

Dass aber einer so ICH schreibt, wie Karl May es getan hat, dürfte eher selten vorkommen. In seiner Erscheinungsform als Old Shatterhand reitet er durch die Prärien und Felsengebirge des nordamerikanischen Westens, in seiner Erscheinungsform als Kara Ben Nemsi durch die Wüsten und Schluchten des orientalischen Ostens. Während er in Wirklichkeit … Aber was bitte, ist schon Wirklichkeit? Auf dem Gipfel seines Ruhms (knapp vor dem Absturz) verwechseln ihn möglicherweise nicht nur die Leser mit diesen Protagonisten.

Da findet einer aus der Rolle, in die er sich, auf der Flucht vor der traurigen Biografie seiner ersten dreißig Jahre, mithilfe einer in vieler Hinsicht bewundernswerten Energie und Fantasie hineingeritten hat, nun nicht mehr heraus. Karl May, Sohn armer, an der Grenze zum Verhungern vegetierender Weber, der eigentlich Lehrer werden sollte, und das wäre schon ein enormer Aufstieg gewesen. Früh mit dem Gesetz in Konflikt geraten, zuerst wegen möglicherweise kleptomanischer Bagatelldelikten, dann wegen – liest oder hört man von ihnen – zum Teil amüsant klingender Räubergeschichten und Hochstapelei. Karl May, der acht Jahre in sächsischen Gefängnissen zugebracht und dort zu schreiben begonnen hat.

Karl May, jahrelang Lohnschreiber für dubiose Redaktionen und Versandbuchhändler. May, dem, spät aber doch, der Durchbruch zum Erfolgsschriftsteller gelungen ist. May, dem sogar sein erster seriöser Verleger, Friedrich Fehsenfeld, das Märchen von den zahllosen Reisen und selbstverständlich selbst erlebten Abenteuern glaubt. Nachdem der den Autor, mit dessen gesammelten Erzählungen er märchenhafte Verkaufserfolge erzielen wird, zum ersten Mal besucht hat, bildet er sich ein, „einen Anflug von Reiterbeinen“ an ihm entdeckt zu haben.

Reiten, reiten, reiten. Im Westen am liebsten mit Winnetou, im Osten mit Hadschi Halef Omar. Auf Pferden wie Rih, Hatatitla, und wie diese edlen Tiere alle heißen. In offene Gegenden, in denen der Horizont noch nicht so verbaut war wie in der deutschen Heimat. Dass das alles nicht nur Fantasie, Wunschdenken, Traum, sondern doch irgendwie Wirklichkeit gewesen sein könnte, von diesem Trip wollte May nicht herunterkommen.

Auch nicht, nachdem man ihm im Zuge unerquicklicher Prozesse, in denen es ursprünglich um ganz andere Fragen ging – Urheberrechte zum Beispiel – nachzuweisen begonnen hatte, dass die Abenteuer, die er in seinen Büchern beschrieb, eben nichts weiter als Abenteuer im Kopf waren. Was heißt da „nichts weiter“ …? Scheinbar in die Enge getrieben, mit dem Rücken zur Wand, sieht sich May, den manche für einen zweit- wenn nicht drittklassigen Schriftsteller halten, in bester Gesellschaft. Mit demselben Recht oder Unrecht, mit dem man ihm vorwirft, nicht „wirklich“ an den Schauplätzen gewesen zu sein, die er beschreibt, könnte man Dante vorwerfen, die Hölle und das Fegefeuer nicht wirklich geschaut zu haben. Was, bitteschön, beweist das?

Reiten, reiten, reiten. Ob seine Gegner auch nachzuweisen versucht haben, dass er womöglich gar nicht reiten konnte?

Ich weiß nicht. Das Ergebnis wäre jedenfalls irrelevant. Wenigstens für seine Einschätzung als Autor. Wenn er seine Ritte beschreibt, ist der Schriftsteller Karl May in Bestform.

Das muss man würdigen. Alle Achtung, das kann er! Lächelt da jemand? Argumentieren wir mit Freud? Stimmt schon, ein ganz spezieller May-Kenner wie Arno Schmidt hat das in seinem Buch Sitara und der Weg dorthin geradezu obsessiv getan. Obwohl bis heute nicht entschieden ist, ob er damit eher May verarscht oder die Psychoanalyse. Bloß ist Arno Schmidt wohlgemerkt keineswegs nur May-Verarscher, sondern auch May-Verehrer. Mays Spätwerk, in dem erst recht geritten wird, und zwar mit tatsächlich an Dante erinnernden, immer höheren Ansprüchen, hält er allen Ernstes für eine Gipfelleistung der deutschen Literatur. Bereits Im Reich des Silbernen Löwen geht es an eine Grenze, die May recht treffend mit dem Titel Am Jenseits bezeichnet, und schließlich müssen Kara Ben Nemsi und sein treuer Diener Halef, der ihn sogar auf dieser Reise begleitet, exemplarisch von den sumpfigen Niederungen eines Landes namens Ardistan hinauf nach Dschinnistan. Damit wird May für Schmidt zum letzten Großmystiker deutscher Sprache.

Man muss Arno Schmidt in dieser Einschätzung (vielleicht einer Über-Schätzung) nicht folgen. Vor allem muss man die früheren Werke, die man ehedem geliebt hat, aufgrund der späteren, von denen man erst später gehört hat, und mit deren echter oder behaupteter Wertschätzung man sich unversehens in so exklusiver Umgebung befindet, nicht denunzieren. Ernst Bloch mochte gerade die – der May des Orientzyklus, der May der Winnetou- und Old-Surehand-Bände war ihm gut genug. “ Karl May ist einer der besten deutschen Erzähler, und er wäre vielleicht der beste schlechthin, wäre er kein armer, verirrter Prolet gewesen.“

Zweifellos ist Karl May ein Schriftsteller, dessen literarisches Niveau extrem schwankt. Das ist kein Wunder. Sein Werk umfasst mehr als 50.000 Manuskriptseiten. Schreiben, schreiben, schreiben. Da zieht sich einer am Schopf der eigenen Fantasie aus dem Sumpf. Und so hoch er hinaus will – etwas von diesem Sumpf bleib an ihm hängen.

„Wer sich an Karl May erinnert, hat meist Kinogeschichten vor Augen.“ So Rüdiger Schaper, Autor eines sehr lesenswerten Buchs zu Karl May, das vor kurzem erschienen ist. In den Jahren von 1962 bis 1968 entstanden siebzehn deutsche Karl-May-Filme. Jugendfrei ab zwölf. Aber wenn der Billeteur die Augen zudrückte, kamen schon die Zehnjährigen ins Kino.

Karl May war mit dem Erfolg dieser Filme wieder da – war er damit wirklich wieder da? Eigentlich, schreibt Schaper, waren das keine Karl-May-Filme, sondern Winnetou-Filme. Ja, eben! Pierre Brice als Winnetou sah sehr schön und edel aus in seinem adretten Kostüm. Aber Lex Barker als Old Shatterhand war ein einziges Missverständnis.

Leute, die Old Shatterhand und – in den späteren Filmen – Kara Ben Nemsi mit einem Ex-Tarzan besetzten, konnten May nicht wirklich gelesen haben. Das im Westen und Osten ein Abenteuer nach dem anderen erlebende ICH, dieses Wachtraum-Ego des Schreibtischabenteurers May ist nämlich keineswegs der Typ, der durch Körpergröße und Breitschultrigkeit beeindruckt. Er mag gut trainiert sein, reaktionsschnell, ja es steckt – darauf kommt er seinen Lesern gegenüber gern zu sprechen – eine ungewöhnliche Kraft und Ausdauer in ihm. Aber die sieht man ihm nicht von vornherein an, potenzielle Gegner neigen sogar ziemlich häufig dazu, ihn nicht ernst zu nehmen.

Ähnlichkeiten mit dem Autor, der sich, zwischen 1874, nachdem er seine zweite vierjährige Haftstrafe abgesessen hat, und 1891, als er den Verleger trifft, der sich vor allem auf seine Bücher konzentrieren will, einen Namen zu machen versucht, Ähnlichkeiten mit diesem auf Fotos aus jener Zeit eher schmächtig wirkenden Schreiberling sind nicht ausgeschlossen. Der leistet einiges an Überkompensation. Bei Tag und vor allem bei Nacht schreibend, ein Werk, das quantitativ dem von Goethe kaum nachsteht. „Bei Lichte betrachtet“- so einer der besten May-Kenner, Helmut Schmiedt, in einer Biografie (Karl May oder die Macht der Fantasie), die allen zu empfehlen ist, die sich genauer über Mays Leben und Schreiben informieren wollen – „erschreibt und inszeniert sich hier ein Mensch, der aus jämmerlichen Verhältnissen stammt und dem im Leben zunächst vieles danebengegangen ist, eine Traumexistenz, in der alles zum Besseren korrigiert wird.“

Und das geht, spätestens seit er den Verleger Fehsenfeld kennengelernt hat, märchenhaft gut. May, schon durch Publikationen in Zeitschriften wie Der deutsche Hausschatz und Der Gute Kamerad recht populär, wird zum Bestsellerautor. Karl Mays gesammelte Reiseromane erscheinen nach wenigen Jahren nur mehr unter dem Titel Karl Mays gesammelte Reiseerzählungen. Die der Leserschaft bis dahin schon nahegelegte Identifikation des Verfassers mit dem ICH seiner Geschichten wird somit offiziell.

Was geht da vor? Jahrzehntelang hat May etwas betrieben, das Arno Schmidt als „längeres Gedankenspiel“ bezeichnet. Er beginnt damit wahrscheinlich bereits in den Gefängniszellen, also im Alter zwischen Zwanzig und Dreißig, und kommt immer wieder darauf zurück. Stimmt: In der Literatur- und Literatengeschichte braucht man nicht lang zu suchen, um jede Menge Kolleginnen und Kollegen zu finden, die dieses Spiel auch spielen. Doch May ist wahrscheinlich Weltmeister im Durchhalten eines solchen Spiels.

Nun aber – der Mann ist inzwischen immerhin fünfzig – gibt es in seiner Biografie einen qualitativen Sprung. Es sieht so aus, als ließen sich Traumleben und reales Leben zur Deckung bringen. Wird May dann bloß übermütig? Oder glaubt er sich die Rolle, die er nun immer ungenierter spielt, am Ende selbst? „Meine Werke“ schreibt er dem Prager Verleger Josef Vilimek, „sind nicht bloß die Früchte langer und angestrengter Studien, sondern noch mehr die Erfolge fast 30-jähriger Reisen, Entbehrungen und Gefahren …“

Meint er das bloß in übertragenem Sinn? Keineswegs. Was seine Fans bisher ohnehin schon vermutet haben – jetzt wird es bestätigt. Er ist tatsächlich das ICH, das in seinen Büchern steht. Um das glaubhaft darzustellen, tritt er auch aus seinen Büchern heraus in die Öffentlichkeit.

Die kann ihn zum Beispiel auf Postkartenfotos bewundern. „Dr. Karl May“ (der Doktortitel ist ihm inzwischen auch von irgendwoher zugeflogen, dazu braucht einer wie er keine real existierende Uni) „in den Originalkostümen, die er als Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi auf seinen gefahrvollen Weltreisen trug.“ Da ist er gut drauf. Ein durchaus attraktiver Mann. Vielleicht etwas kleiner, als man ihn sich vorgestellt hat, aber mit einem sehr selbstbewussten Blick.

Glitzert in diesem Blick etwas Selbstironie? Ironie vielleicht. Selbstironie eher nicht. Hingegen Stolz. Ist das bloß Pose im Rahmen der Fotosession? Sitzt ihm nicht doch ein wenig der Schalk im Nacken? Haben die hochstaplerischen Talente, die sich durch rund zwanzig Jahre eines emsigen Schriftstellerlebens nur mehr als literarische Fantasien geäußert haben, nun wieder Lust, sich in der Realität zu bestätigen? Es scheint so. Und offenbar macht es Spaß, sie wieder anzuwenden. Noch dazu unter viel besseren Voraussetzungen als vormals. Denn zumindest ein Teil der Öffentlichkeit nimmt ihm die Rolle, die er spielt, anscheinend ab. May hält gut und immer besser besuchte Vorträge. Protzt mit Vokabeln aus den unglaublich vielen Sprachen, die er perfekt zu sprechen behauptet. Entblößt gelegentlich seinen Oberkörper, zeigt seine Wunden. Ein entfesselter Selbstdarsteller, der sich immer höher in eine bedenkliche Euphorie emporschraubt.

Der Popstar als seine eigene Kunstfigur – genau, so würde man so etwas heute vielleicht auffassen. Aber kann man Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi wirklich mit Lady Gaga vergleichen? Die junge Dame, die in dieser Rolle Erfolg hat, könnte vermutlich – abgesehen davon, dass das dem Geschäft nicht zuträglich wäre – jederzeit aus dieser Rolle aussteigen und sich etwas anderem zuwenden. Der, wenn auch immer noch gut aussehende, ältere Herr, der Karl May auf dem Höhepunkt seines Erfolgs bereits war, konnte das nicht oder nur sehr zögerlich: in einem bis zu seinem Tod dauernden Rückzugsgefecht.

Auf einmal war alles vor allem symbolisch gemeint. Und zwar eigentlich schon immer – die unbedarfte Leserschaft hatte das nur nicht so recht kapiert. Und außerdem waren die bisherigen Werke eigentlich nur Etüden. Die wirklichen Werke, die großen Konzerte und Symphonien, sollten erst komponiert werden.

Stimmt schon, das klingt wieder einmal nach Ausrede, und um Ausreden im Hin- und Rückblick auf „lauter unverschuldete Unglücksfälle“ (Johann Nestroy) war dieser Mann, den viele für ein nie ganz erwachsen gewordenes Kind halten, nie verlegen. Aber nun folgt ein weiterer qualitativer Sprung in diesem kuriosen Autorenleben. Unter dem Druck der von allen Seiten auf ihn einstürzenden Anfeindungen erfindet sich der Schriftsteller Karl May neu. Und gerät damit („nach oben gestoßen“, so sein klassischer Bio- und Monograf, Hans Wollschläger) tatsächlich auf ein ganz anderes Level.

Ein Mann, der schwindelnd hoch über seine Verhältnisse hinaus geraten und nun abgestürzt ist, muss sehr tief über sich nachdenken. Er weiß nicht, was soll er bedeuten, aber irgendetwas Bedeutendes muss es sein. Ein Karl May wird es all jenen, die ihn nun als Autor von Schundromanen, Jugendverderber, Lügner, Betrüger, Knastbruder, geborenen Verbrecher beschimpfen und fertigmachen wollen, noch einmal zeigen. Im Rückwärtsgehen muss er zwar aufpassen, dass er nicht stolpert, aber er steigt dabei Stufe für Stufe höher.

Und wie hoch hinauf! Sind das erst recht wieder schwindelnde Höhen? Der größere Teil seiner bisherigen Leserschaft will ihm dorthin jedenfalls nicht folgen. May als Friedensapostel mit einem Buch, das – wohlgemerkt mitten in der imperialistischen Hysterie nach Niederschlagung des chinesischen Boxeraufstands – unter dem Titel Et in terra pax (später: Und Friede auf Erden) erscheint. May als Esoteriker, dessen alte Helden Kara und Halef auf einmal als Botschafter der Verständigung in Länder geschickt werden, die man auf keiner Landkarte findet.

Da sinken die Verkaufszahlen. Aber die Achtung der nachgeborenen Feinspitze steigt. Wollschläger und Arno Schmidt applaudieren, der subtile Filmer Syberberg setzt May noch akkurat 1974 ein cineastisches Denkmal. Kein Winnetou kommt in diesem Film vor, kein Old Shatterhand, nur der alte, von Prozessen geplagte und schließlich zugrunde gerichtete Karl May. Aber am Ende sagt der Richter: Ich halte Karl May für einen Dichter.

Ist May also doch noch auf dem Olymp angelangt? Darf man ihn nicht nur wegen der vielen Seiten, die er (von A bis Z mit der Hand!) geschrieben hat, sondern auch wegen seines autobiografischen Versuchs, „Mein Leben und Streben“, in einem Atemzug mit Goethe nennen? Und mit Cervantes? Hat das Paar Kara Ben Nemsi & Hadschi Halef Omar nicht etwas von Don Quijote & Sancho Pansa? Und sind nicht auch die Ritte Old Shatterhands ins ständig wiederholte Abenteuer, in dem er sich immer aufs Neue bewähren muss, eigentlich Reisen eines fahrenden Ritters?

Reiten, reiten, reiten. Nein, mit Rilke ist May eher nicht in Verbindung zu bringen. Obwohl … Wer weiß… Es gibt Entdeckungen, von denen sich die Germanistik lange Zeit nichts träumen lässt. Und dann, auf einmal … Also ehrlich gesagt, ist mir die Idee einer Geschichte, in der sich Franz Kafka als Karl-May-Leser outet, vorerst vor allem originell erschienen. Aber je mehr ich mich damit beschäftigt habe, desto überzeugter war ich davon, dass diese Idee was für sich hatte.

Dass der junge Kafka einen Text mit dem Titel Wunsch, Indianer zu werden geschrieben hat – ist das Zufall? „Wenn man doch“, so beginnt dieser Text, „ein Indianer wäre.“ Ein Text, bloß sechs, sieben Zeilen lang – eigentlich handelt es sich um einen einzigen Satz. Einen Satz, der in einen Schwebezustand zwischen Irrealis und Indikativ gerät, einen Satz, der allen Ballast abwirft, alles verneint, was er nicht braucht, sämtliche Reitutensilien, die Prärie, selbst das Pferd, sodass am Ende nur mehr der Indianer übrig bleibt, der sich, allerdings immer noch in Reiterhaltung, auf den Horizont zubewegt.

Na, wenn das nicht von Karl May inspiriert ist! Und womöglich gibt es noch mehr Spuren der May-Lektüre in Kafkas Werk. Im Roman Amerika zum Beispiel, selbst noch in Das Schloss, dessen Protagonist ausgerechnet Landvermesser ist. Wie der erst werdende Old Shatterhand in Mays Winnetou 1.

In seinem Buch Karl May, Untertan, Hochstapler, Übermensch widmet Rüdiger Schaper dem möglichen Einfluss Mays auf Kafka ein ganzes Kapitel. Das freut mich. Habe ich etwa der Literaturwissenschaft einen Floh ins Ohr gesetzt? Als besonders beachtenswert zitiert wird eine Bemerkung des May-Exegeten Hermann Wiegmann im Karl May – Handbuch. „Wenn es auch blasphemisch klingt, aber die traumhafte Deutlichkeit und das nüchterne, präzise Papierdeutsch“ erinnern an keinen anderen modernen Schriftsteller so sehr wie an Franz Kafka

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