Das neue China-Bashing

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http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Das-neue-ChinaBashing/story/21283279#kommentar

die Amerikaner wollen ihre Industriejobs zurück. Angriffe auf die chinesische Konkurrenz werden zum Erfolgsrezept im Rennen um das Weisse Haus. Doch in China ist die Zeit der Unterwürfigkeit vorbei.

Der geistige Vater des modernen Chinas, Deng Xiaoping, hat seinen Landleuten stets gepredigt, gegenüber dem Westen den Ball möglichst flach zu halten. Dieser Rat wurde in den letzten Jahrzehnten befolgt, China hat in dieser Zeit ein beispielloses Wirtschaftswunder erlebt. Inzwischen ist es zur zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt avanciert. Das hat nicht nur dazu geführt, dass ein neuer und wohlhabender Mittelstand entstanden ist, es hat auch das chinesische Selbstverständnis verändert. China verteidigt seine wirtschaftlichen Interessen immer offener und geht auf Konfrontationskurs. Umgekehrt hat die Wirtschaftskrise im Westen ebenfalls zu einem Umdenken geführt. Angesichts einer grassierenden Arbeitslosigkeit vor allem bei der Jugend sind die einst dreckigen Industriejobs wieder begehrt. Wissensgesellschaft hin und Dienstleistungsgesellschaft her – die Politiker haben den Charme des blauen Übergewands neu entdeckt und wollen wieder vermehrt Arbeitsplätze in der Industrie schaffen. Schliesslich werden da noch richtige Güter geschaffen.

Handelskonflikt zwischen Ost und West

Dummerweise werden die meisten dieser richtigen Güter inzwischen sehr günstig in China hergestellt. Daher steuert die Welt auf einen Handelskonflikt zwischen West und Ost zu. Die Tatsache, dass im laufenden Jahr in den USA der Präsident neu gewählt und in China das alles entscheidende, neunköpfige Politbüro neu bestellt wird, verschärft die Gegensätze. Das Vorgeplänkel hat bereits begonnen:

Die USA wollen China bei der Welthandelsorganisation WTO verklagen, weil sie die Ausfuhr von Seltenen Erden verknappen und damit den Preis künstlich in die Höhe treiben.
150 US-Senatoren und Abgeordnete bereiten einen Brief an Präsident Barack Obama vor. Darin wird er aufgefordert, abzuklären, ob chinesische Autozulieferer versuchen, mit illegalen Geschäftspraktiken den amerikanischen Markt zu erobern.
Das amerikanische Handelsdepartement wird in den nächsten Tagen einen Bericht veröffentlichen, in dem es zu den subventionierten chinesischen Sonnenkollektoren Stellung nimmt.
Peking schreibt neuerdings seinen Beamten vor, dass sie nur noch Dienstwagen von chinesischen Herstellern anschaffen dürfen.
Der US-Kongress hat ein Gesetz verabschiedet, das die Klage amerikanischer Unternehmer und Gewerkschaften gegen chinesische Geschäftspraktiken erleichtert, und der Präsident hat angedeutet, dass er diesem Gesetz zustimmen wird.

Es ist mehr als Wahlkampfgetöse. In den USA sind seit 2001 beinahe sechs Millionen Jobs in der Industrie verloren gegangen, 2,3 Millionen in der Amtszeit von Präsident Obama. Wer überhaupt noch einen Job erhält, muss mit massiven Lohnabstrichen rechnen. Trotzdem sind die Arbeitsstellen heiss begehrt. General Electrics hat kürzlich in Kentucky 400 neue Arbeitsplätze zu einem Stundenlohn von 13.50 Dollar ausgeschrieben. Innert 50 Minuten haben sich 6000 Bewerber gemeldet.

Obwohl die US-Industriearbeitnehmer inzwischen zu massiven Lohneinbussen bereit sind, wächst das Handelsdefizit mit China ungebremst. Als Präsident Obama sein Amt antrat, betrug das Handelsdefizit bei hochwertigen Gütern rund 60 Milliarden Dollar, inzwischen ist es auf 99 Milliarden Dollar geklettert. Diese Tatsache rückt immer mehr ins Zentrum des US-Wahlkampfs. Mitt Romney konnte den alten Industrie-Bundestaat Ohio nur dank massiver Angriffe auf China ganz knapp für sich entscheiden. «Die Chinesen stehlen unsere Designs, unser Know-how und unsere Patente», donnerte er. «Wenn ich Präsident werden sollte, werde ich das sofort beenden.»

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