Schöne Worte! Und wo sind die Taten?


Hans, der Solidarische
und andi kotzt…..
gelesen bei: http://www.rottmeyer.de/
Nicht alle freilich, die Griechenland-Anleihen in ihrem Depot hielten, setzten auf die geringe Chance einer noch verbliebenen Rest-Rechtsstaatlichkeit in der EU. Manche kauften schon 2010 aus „Solidarität“ mit den Griechen. Der versammelte wirtschaftliche Sachverstand der Teilnehmer der Handelsblatt-Aktion „Wir kaufen griechische Staatsanleihen!“ (Mai 2010) glaubte wohl, damit den Griechen zu helfen. Tatsächlich wurden damit nur jene Geldgeber Griechenlands unterstützt, die auf diese Weise die ungeliebten Papiere ganz unsolidarisch am Sekundärmarkt losschlagen konnten.

Aber nicht alle, die da aus „Solidarität“ kauften, kauften überhaupt. Etwa unser ehemaliger Bundesfinanzminister, Hans Eichel, der seinerzeit in schönen Worten erklärte, warum er die Seiten wechselte, und zum ersten Mal in seinem Leben nicht Staatsanleihen verkaufen ließ, sondern selbst welche erwarb, also erwerben wollte. Er „kaufte“, denn die Eurozone müsse zusammengehalten werden. „Welt”-Autor Frank Stocker lässt nun mit der Aussage aufhorchen, dass Eichels Solidaritätsbekundung keine Taten folgten. Eichel habe demnach ganze 1.000 EUR investieren wollen. Ein atemberaubender Akt einer offenbar rein theoretischen Solidarität.

Leider hätte die Mindeststückelung 5.000 EUR betragen, weshalb es Eichel bei schönen Worten belassen musste. Aus Hans, dem Solidarischen wurde in der griechischen Angelegenheit – angesichts des nachfolgenden Schuldenschnitts – sogar noch ein unverdienter Hans im Glück. Das mit der Mindeststückelung bezeichnet Stocker jedoch als „natürlich[!] glatt gelogen“, denn er selbst, Stocker, hatte 1.000er-Stückelungen gekauft. Irgendwie peinlich für Hans, den Solidarischen. Aber wer glaubt mit einer Investition von 1.000 EUR und einem albernen Statement die Eurozone zusammenhalten zu können, der dürfte möglicherweise noch ganz andere Probleme haben, als eine kleine Notlüge.

Wir wollen dem solidarischen Hans aber zugutehalten, dass er in dem ganzen Trubel vielleicht nur vergessen hat, seine Order aufzugeben. Schließlich kämpft er an vielen Fronten, etwa um eine „gerechte“ Aufstockung seiner Pension von derzeit kümmerlichen rund 8.200 EUR/Monat. In diesem Zusammenhang darf auch einmal an die „Verdienste“ des Gymnasiallehrers erinnert werden, der sich zwar ein Leben lang nicht am freien Markt beweisen musste, aber dennoch so folgenschwer als „Wirtschafts- und Finanzexperte“ dilettierte:

Es war Hans Eichel, der sich als Bundesfinanzminister – allen Warnungen echter Wirtschaftsexperten zum Trotze – für die Aufnahme Griechenlands in die Euro-Zone stark machte. Ein gestandener Wirtschaftsexperte sah dagegen nicht nur 2010 deutlich klarer: Im Rahmen der Handelsblatt-Aktion (s.o.) konnte einzig(!) Hans-Werner Sinn vom Münchner ifo-Institut den Kauf griechischer Staatsanleihen „nicht guten Gewissens empfehlen.“ Stattdessen riet er, lieber einmal Urlaub in Griechenland zu machen: „Da weiß man, dass man etwas für sein Geld kriegt.“

Zu den Märkten

Der DAX liefert nach den jüngsten Kursschüben ein indifferentes Bild. Technisch gesprochen mäanderte die Kursentwicklung zunächst entlang der steilen Aufwärtstrends (grüne bzw. blaue Linie), um diese schubartig nach unten zu verlassen. Dies war der Auslöser unserer ersten, gegen den breiten Konsens gerichteten Verkaufsaktion bei der wir allerdings auch eine technische Gegenreaktion für möglich hielten, die wir teilweise durch aktive Limits abgebildet hatten. Diese Gegenreaktion hat sich vergangenen Freitag unter großen Umsätzen in der Nähe der blauen Trendlinie erschöpft. Seitdem korrigiert der Markt erneut. Wir sehen damit ein klassisches Auffächern des Aufwärtstrends nach unten. Eine weitere Vorentscheidung für einen Trendwechsel wird ein Rückfall in die Schiebezone unter 7.000 DAX-Punkten oder ein Bruch der roten Aufwärtstrendlinie sein.

Insgesamt bleiben wir bei unserer Einschätzung, dass die jüngste Rally auf Sand gebaut war und die Märkte vor einem eigentlichen Crack-up-Boom noch einmal herbe Rückschläge erleiden werden. Während die Wirkung von Draghis „Dicker Bertha“ auf die Aktienmärkte überschätzt wird, werden die frühen Signale eines Konjunktureinbruchs, der insbesondere Europa hart treffen dürfte, derzeit noch regelrecht weggelacht. Der Rückgang der Kfz-Zulassungen im Februar ist dramatisch und gibt Hinweise, auf das, was kommen wird.

Fazit

Das Beispiel von Hans Eichel zeigt, einmal mehr, dass das einzige Kriterium für die Beurteilung von Politikern deren tatsächliches Verhalten ist – ohne Wenn und Aber. Reden, besonders in Wahlkämpfen, wecken dagegen regelmäßig nur falsche Erwartungen. An den Märkten bleiben wir auf der Seitenlinie.

©Ralf Flierl, Christoph Karl, Ralph Malisch

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