Vorsicht Experten!

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Nichts ist unausrottbarer als unser Glaube, Experten sprächen a priori die Wahrheit. Wenn dieser „Experte“ dann auch noch einen Professorentitel trägt, scheinen wir unseren Verstand auf Sparflamme zu schalten. Mit dem unerschütterlichen Glauben an Experten haben wir selbst dieser Manipulation eine große Tür aufgemacht. Was ist eigentlich ein Experte? Grundsätzlich gibt es zwei Sorten. Jene mit akademischen Titeln und Experten kraft Aussage.

Nicht jeder weiß, wie akademische Karrieren zustande kommen. Schon nach dem Grundlagenstudium beginnt die Spezialisierung. Die Diplomarbeit beleuchtet ein noch kleineres Feld der Erkenntnis, denn schließlich muss sie nicht etwa das Aufzählen empirischer Fakten enthalten, sondern eine eigene geistige Leistung. Das ist ziemlich schwierig geworden heutzutage, wo Millionen von Akademikern zum Beispiel im Fach Chemie ihre Diplomarbeiten schreiben. Man stürzt sich also auf einen winzig kleinen Teil der Leinwand und malt mit einem Pinsel, der nur ein Haar hat.

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Dann kommt der Doktortitel. Und wenn man ihn mit ernsthafter wissenschaftlicher Arbeit erlangen möchte, muss man wissenschaftlich bisher Unergründetes finden. Das Stück Leinwand wird immer kleiner, mikroskopisch klein. Dann folgen Jahre als „Postdoc“ an irgendeinem Institut, an der Universität oder in der Freien Wirtschaft. Noch einmal wird der Fetzen der Forschung kleiner, dem der Wissenschaftler seinen Namen aufprägen kann. Bis zum ersehnten Professorentitel und so weiter und so weiter.

Auf keinen Fall ist man anschließend in der Lage, mit breitem Pinsel ein großes und prächtiges, meinetwegen auch nur impressionistisches Bild seiner kompletten Wissensdisziplin zu malen. Im Gegenteil. Schließlich ist man als Nobelpreisträger (die ultimative Stufe der akademischen Laufbahn) zu einem Fachidioten geworden, wird aber im Fernsehen als Genie herumgezeigt und darf alles sagen. Eigentlich ist man zur Fata Morgana geworden.

Der „gewöhnliche Experte“ wird einfach nur ausgelobt. Im Fernsehen – gerade die Privatsender – benutzen den Begriff ganz inflationär. Ein Experte im Fernsehen steht für die Richtigkeit der Aussagen – ein Nachweis für „Qualitätsjournalismus“. Ansonsten ist der Experte eine gelungene Marketing-Kreation. Nicht mehr und nicht weniger.

Das heißt nicht, dass alle Experten keine Ahnung haben. Die aktuelle Finanzkrise zeigt aber überdeutlich, dass wir uns Experten gegenüber völlig falsch verhalten. Wir sollten eher skeptischer sein – als gläubiger. Kaum ein Problem ist so simpel, dass es von nur einem einzigen Experten beschrieben oder gar gelöst werden kann.

Nobelpreisträger in der Küche

Wenn Sie in Ihrem täglichen Leben eher weniger mit Nobelpreisträgern zu tun haben – wie wäre es mit den vielfältigen Problemen beim Einbau Ihrer neuen Küche? Sie benötigen einen Installateur. Der hat aber keine Ahnung von Elektrik. Dann muss ein Fachmann die schönen neuen Fliesen anbringen. Schließlich kommt noch der Maler, der verputzt und alles streicht. Anschließend brauchen Sie einen Eheberater, weil die Küche doch nicht so aussieht, wie Ihre Holde es sich vorgestellt hatte. Kämen Sie auf die Idee, diese Aufgaben einem Professor für Innenarchitektur zu übertragen? Das ist natürlich eine rhetorische Frage.

Nobelpreisträger melden Konkurs an

Ein klassisches Beispiel dafür, wie Experten sogar viele tausend Fachleute manipulieren konnten – gerade wegen ihres Nobelpreises – ist der Zusammenbruch des 1998 größten Hedgefonds: Long-Term Capital Management, kurz LTCM genannt.

Long-Term Capital Management (LTCM) war ein 1994 von John Meriwether (früherer Vize-Chef und Leiter des Rentenhandels bei Salomon Brothers) gegründeter Hedgefonds. Unter den Präsidenten waren auch Myron Samuel Scholes und Robert C. Merton, denen 1997 der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften verliehen wurde.

Während der Währungskrise in Russland 1998 verspekulierten sich die Experten gehörig. LTCM stand nicht mehr genug Eigenkapital zum Ausgleich zur Verfügung und seine komplette Zahlungsunfähigkeit stand kurz bevor. In dieser Situation war ein Zusammenbrechen der US-amerikanischen und internationalen Finanzsysteme mehr als wahrscheinlich. Und das war 1998. Die ganze Börse hängt eben nur davon ab, ob es mehr Aktien gibt als Idioten – oder umgekehrt.

Wir kommen jetzt nicht wirklich weiter, wenn wir auf andere Erklärungsmuster ausweichen. Kahneman (ein berühmter US-amerikanischer Psychologe, Nobelpreis 2002) hat zum Beispiel einen schönen Spruch gemacht: „Geld wird nicht gezählt. Geld wird gefühlt.“ Und ein Hedgefond, der von zwei Nobelpreisträgern der Wirtschaftswissenschaften geführt wurde, fühlte sich eben sehr gut an.

Der Wolf im Schafspelz

Und dann gibt es noch Experten, die im Namen der Wissenschaft auftreten aber eigentlich Lobbyisten sind. Da gibt es den von den Medien gerne hochgehaltenen Rentenexperten-Professor von einer Fachhochschule, der in den Medien die Vorzüge der Riesterrente auslobt. Ein genauer Blick in sein Tätigkeitsspektrum entlarvt dann aber die Versicherungsbranche als spendablen Brötchengeber. Sie finanziert großzügig seinen Lehrstuhl mit, fragt um seinen Rat und lässt Ihnen als Referent auftreten. Doch das kriegt keiner mit.

Aber nicht nur bei den großen Fragen der Lebensrisiken tauchen Experten auf. Kaufen Sie mal einen Lattenrost, eine Matratze oder wirkungslose Medikamente. Gerne werden Experten mit akademischen Titeln in Verbindung mit wohlklingenden Institutsnamen herangezogen um die perfekte Experten-Illusion aufbauen und Glaubwürdigkeit zu erzeugen. Denn der Otto-Normalverbraucher kennt das Institut eben nur vom Vorbeifahren an der Uni – dass das oben genannte Institute mit Wissenschaft nichts zu tun hat schwant den wenigsten.

Experten ohne Titel

Experten sind auch Experten, wenn sie keinen akademischen Titel tragen. Denn die Investmentbanker haben sich nicht lange damit aufgehalten, akademische Titel anzuhäufen. Wir sind ihnen trotzdem nachgelaufen und tun es immer noch. Bitte beachten Sie, wie stark uns die Experten der Finanzindustrie manipuliert haben, bestimmte Begriffe geradezu umzucodieren. Schulden? Meine Eltern wussten noch, dass Schulden ein sehr negativer Begriff war. Wie denken wir heute darüber? Seit etwa zehn bis zwanzig Jahren beobachten wir diese begriffliche Umcodierung. Schulden sind plötzlich mit einem Schlag nichts mehr, wofür man sich schämen müsste, ganz im Gegenteil. Wer sich nicht verschuldet, ist naiv. Warren Buffett hat das einmal sehr elegant ausgedrückt: „Debt now becomes something to be refinanced rather than repaid.“ (Schulden werden etwas zum Umfinanzieren. Nicht zum Zurückzahlen.) Und alles das haben uns „Experten“ eingebrockt. Wir sind ihnen gefolgt wie die Lemminge. „Aus Dreck Gold machen“ – das sind die alchemistischen Weisheiten der Finanzakrobaten. Groß nachgedacht haben wir selten.

Kaum eine Dienstleistung, die heute verkauft wird, kommt ohne Experten aus. Titel unwichtig, Qualifikation zweitrangig. Wenn „Experte“ draufsteht, wird es schon richtig sein. Das haben wir gelernt. Für den Experten zahlen wir gerne etwas mehr. Ein ungeschützter Begriff der Sicherheit vermittelt. Es ist doch einfach beruhigender, wenn „Der Experte für Anlagestrategien“ ihr Geld abgreift – äh managed als es bloß vom Bankkaufmann Müller verwalten zu lassen, oder?

Neonschrift im Kopf

Zweifelsohne versteht mein Arzt mehr von Bronchitis. Natürlich mein Anwalt mehr vom Erbrecht. Selbstverständlich mein Steuerberater mehr von Abschreibungen. Aber Faktenwissen ist nur eine Seite der Medaille. Weisheit und Lebensklugheit eine ganz andere. Wir schalten nur allzu gerne unseren Verstand aus, wenn uns jemand als „Experte“ gegenübertritt. Damit werden wir das willkommene Opfer von Experten. Vom Arzt, der mir als willkommenem Privatpatienten eine teure, aber auch wirkungslose Spezialtherapie verpasst. Vom Anwalt, der mir eine zu optimistische Prognose über den vielleicht zu führenden Prozess gibt. Vom Steuerberater, der mir empfiehlt in Schweinebäuche zu investieren, weil er „zufällig“ dazu auch ein „Finanzprodukt“ im Angebot hat.

Wenn Ihnen in Zukunft also ein Experte gegenübersitzt – vertrauen Sie ihm ruhig – aber lassen Sie gleichzeitig vor Ihrem inneren Auge eine rote Neonschrift aufleuchten: Vorsicht Manipulation.

 

Der Autor

ich mache doch coverWolf Ehrhardt ist Unternehmensberater und beschäftigt sich seit über 10 Jahren mit den Manipulationsmustern der Verhaltensökonomie. Er ist Betriebswirt sowie Diplom-Ingenieur und ergänzte seine akademische Ausbildung durch einen Master in Behavioral Economics. Wolf Ehrhardt ist Autor zahlreicher Publikationen, unter anderem „Verkaufen mit Psychologie“ und „Nicht geschenkt“ und:

Ich mache doch, was ich nicht will

Wie wir täglich manipuliert werden und wie wir uns dagegen wehren können

Die Protagonisten der Inzucht-Dynastie –– In den Händen dieser Leute, fließen Geldströme aus aller Herren Länder zusammen.

gelesen bei: http://lupocattivoblog.com/

Geschrieben von Maria Lourdes am 27/04/2012

Der astronomischen Verschuldung der meisten Staaten der Welt, steht eine ebenso große Kapitalkonzentration auf der Seite der großen Bankhäuser gegenüber.

So belief sich der Umsatz offiziell registrierter Finanzderivate schon im Jahr 2005 laut Bank für internationalen Zahlungsausgleich-BIZ auf eine Summe von 800 Billionen $.

Vorsichtigen Schätzungen zu Folge soll die tatsächliche Summe in etwa 2 Billiarden $ betragen haben. Gelogen wird auch hier von offizieller Seite, dass sich die Balken biegen. Statistiken sind auch nur Zahlenwerk und der dicke Winston Churchill prägte angeblich schon Mitte des letzten Jahrhunderts den Spruch: “traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast!” Manche Zeitgenossen sind der Meinung, der Spruch sei von Joseph Goebbels. Letztendlich nicht wichtig.

Zum Vergleich: Das Sozialprodukt aller Volkswirtschaften der Erde betrug im Jahr 2005 ca. 40 Billionen $, d.h. ein Fünfzigstel der Umsätze auf dem Derivatemarkt im gleichen Jahr. Die größten Banken im Derivatemarkt sind nach einer Studie der EZB: Morgan Stanley und Goldman&Sachs. Zahlen der EZB sind hier wenig vertrauenswürdig. Zudem eigentlich belanglos, weil diese Banken die Berechtigung haben Kredite von der Federal-Reserve-Bank zu bekommen. Somit stehen ihnen Geldmittel in beliebiger Höhe zur Verfügung.

In den Händen dieser Leute, fließen Geldströme aus aller Herren Länder zusammen.

In der BRD betrug die Staatsverschuldung Stand Ende 2010 1999 Mrd. €. Quelle: staatsverschuldung.de/schuldenuhr – Im Jahr 2010 gab es in der BRD rund 36,5 Millionen Erwerbstätige. Quelle: Statistisches Bundesamt

Damit entfiel ein Schuldanteil von “ungefähr” 42000 € auf jeden Erwerbstätigen. Bei einem Zinssatz von 5% bedeutet dies, daß jeder Erwerbstätige im Jahr 2010 ca. 2000 € an Zinsen für die Staatsverschuldung zu zahlen hatte. Für viele sind das zwei volle Monate Lohn!

Die “BRD-GmbH” ist auch Schuldner von Goldman&Sachs. Alle Erwerbstätigen in Deutschland arbeiten also – ob sie wollen oder nicht – etwa einen bis zwei Monate im Jahr ausschließlich für die Reichsten der Reichen! Die Zinsen für die Staatsverschuldung werden von den Erwerbstätigen der betroffenen Länder mühsam erarbeitet. Nach Regierungsangaben wird etwa ein Fünftel der Steuereinnahmen für Zinszahlungen aufgewendet. Die astronomischen Summen, die dieser moderne Frondienst verschlingt, führen zu einem Überfluß in den Kassen der “Inzucht-Dynastie”, die sich der normale Bürger nicht im entferntesten ausmalen kann.

Dieser Überfluß im Zusammenspiel mit Massenarmut bietet Möglichkeiten einer Machtentfaltung, die ebenfalls kaum vorstellbar sind und so geht die Welt jeden Tag einen weiteren Schritt zur Vervollkommnung der plutokratischen Weltherrschaft entgegen. Stichwort “Globalisierung” – wobei: ”Globalisierung ist ein nebulöser Begriff, der ganz unterschiedlich gedeutet wird. Am besten übersetzt man dieses Wort mit: Weltherrschaftsstreben der Bankiers, Ausbeutung und/oder Piraterie.”

»Unter den Bedingungen stetiger Verknappung, lebte der normale Bürger in der Hoffnung seine auferlegten Schulden bezahlen zu können – in ständiger, großer Verlegenheit.« Mike Montagne von webofdebt.wordpress.com.

Ein, mit Jeffrey Sachs befreundeter, Multimilliardär und Rothschild-Finanzsoldat, George Soros (Foto li.), gebietet ebenfalls über ein riesiges Finanzimperium.

Das Imperium des George Soros besteht aus diversen Fonds-Gesellschaften und Bankhäusern, sowie Konzernen aller Art. Als Beispiel seien hier der Quantum Fonds (“Quantum-Fonds” verwaltete im Jahr 1988 schon über 15 Milliarden US-Dollar. Heute steht sein Nachfolger, das “Soros Fund Management”, auf Platz Eins der Fonds-Gesellschaften) und die Firma Cresud ein landwirtschaftlicher Großbetrieb, der ganz Südamerika dominiert und ausbeutet, genannt.

Diese Multimilliardäre haben Beziehungen untereinander und bilden so etwas wie eine Gesellschaft in der Gesellschaft. Man bezeichnet sie auch als Finanzoligarchie.

Ich nenne sie die Hauptdarsteller der “Inzucht-Dynastie”. Bisher ist das Wirken dieser “Inzucht-Dynastie” den meisten Menschen verborgen geblieben. Das liegt zum einen daran, daß sich nicht jeder für rätselhafte Kursschwankungen an der Börse interessiert, aber auch daran, daß diese Leute die Medien weltweit beeinflussen.

Die Vorgehensweise des “George Soros Fund” sei exemplarisch am Beispiel Italiens geschildert: 1992 waren die Zeitungen in Italien voll mit Berichten über Korruptionsskandale in staatlichen Betrieben. Es wurde die Forderung nach “Privatisierung” erhoben, um diese scheinbaren Mißstände zu beseitigen. Unterdessen wurde von George Soros eine Operation eingeleitet, welche man als Meilenstein der “Globalisierung” betrachten kann. In seiner Eigenschaft als bekannter Börsen-Analytiker lancierte er eine Pressemitteilung, der zufolge er die italienische Währung für überbewertet halte. An den Börsen bot er dann Optionsscheine, d.h. er bot eine Wette an, die besagte, daß der Kurs der Lira gegenüber dem Dollar zu einem bestimmten Stichtag um einen bestimmten Prozentsatz abgesunken sein würde. Wenn man so einen Optionsschein kauft und seine Wette gewinnt, bekommt man das Geld zurück, welches der Schein gekostet hat und dazu einen ordentlichen Gewinn – meistens 100%. Wenn man die Wette verliert, ist der Schein wertlos und das dafür bezahlte Geld verloren.

Nun glaubten viele, daß ein derart starker Kursverfall der Lira, wie in der von Soros angebotenen Wette, ziemlich unwahrscheinlich sei und deshalb wurden viele dieser Optionsscheine gekauft. Als nächstes tauchten große Mengen italienische Lira auf den internationalen Devisen-Märkten auf, was den Kurs der Lira unter Druck setzte. Für solche Fälle halten die National-Banken ihre Dollar-Reserven bereit. So kaufte auch die italienische Staatsbank mittels Dollar die überzählige Lira auf, um so den Kurs stabil zu halten. Allerdings nahm der Zustrom von Lira kein Ende, bis irgendwann die Dollar-Reserven der italienischen Staatsbank erschöpft waren. Daraufhin brach der Kurs der Lira gegenüber dem Dollar um 30% ein. George Soros hatte seine Wette gewonnen und daraus Gewinne in unbekannter Höhe erzielt. Dazu kam, daß er es ja gewesen war der die Lira, über Mittelsmänner, seine Chawrusse (Jiddisch für Diebesbande), auf die Devisenmärkte gegeben hatte. Statt der Lira besaß er nun die Dollar der italienischen Staatsbank, die in Italien ja nun 30% mehr wert waren. Dies allein entsprach einem Reingewinn von 256 Millionen Dollar. Nun erfolgte die große Privatisierungswelle in Italien, die von der Bevölkerung mit Erleichterung aufgenommen wurde, da sie ja schon von den Medien darauf vorbereitet worden war.

Zu den Hilfskräften, die eine dermaßen umfassende Operation möglich machten, dürfte eine mächtige Freimaurer-Organisation in Italien gehört haben. Ihr Name: “P2″ (Propaganda Due). Andreas von Bülow schreibt in seinem Buch: „Sie [die P2] hatte sich zum Ziel gesetzt, in Italien mit der Zusammenführung von Spitzenpolitikern, Großindustriellen, Militär- und Polizeiführern sowie den Chefs von Geheimdiensten zu gemeinsamen politischen Handeln verdeckt einen autoritären Staat zu schaffen. Die Loge war nach dem Bericht des italienischen Parlaments aus dem Jahr 1984 als neutrales Instrument für Operationen gedacht, die das italienische politische Leben beeinflussen und kontrollieren sollten. […] Der CIA- und Mossad-Mitarbeiter Richard Brenneke sagte im italienischen Fernsehen aus, er habe die Loge P2 seit 1969 gekannt und mit ihr bis in die achtziger Jahre zu tun gehabt. Die US-Regierung habe die P2 mit bis zu 10 Millionen Dollar im Monat unterstützt. […] Der Großmeister der Loge, Licio Gelli, sicherte seinen Logenbrüdern die Geheimhaltung ihrer Namen zu. Lediglich das Pentagon in Washington besitze eine komplette Liste aller Logenbrüder.” (Andreas von Bülow: Im Namen des Staates. S. 232.)

Ein Komplize Soros, Romano Prodi, wurde dann “Privatisierungs-Minister”. Der gleiche Mann, der die italienische Volkswirtschaft um 30% ärmer gemacht hatte, sollte später für Massenentlassungen verantwortlich werden. Die gleiche Operation fand noch im gleichen Jahr in Großbritannien statt. George Soros prahlte damals in einem Zeitungsartikel, daß ihm die Spekulation gegen das englische Pfund einen Reingewinn von 1 Milliarde Dollar gebracht habe. Kurze Zeit später wurde die englische Eisenbahn, Rail-Track, privatisiert. Damit verbunden war ein starker Anstieg der Fahrpreise und später in den 1990er Jahren eine Reihe von Zugunglücken mit Toten und Verletzten, welche auf mangelhafte Wartung der Züge und Gleisanlagen zurück zu führen waren.

Aber was interessieren einen Mann wie George Soros die Opfer seiner Raubzüge? Sobald die Rail-Track finanziell ausgequetscht war, konnte man sie ja dem Steuerzahler zurück geben, der sie wieder reparieren würde. 1997 waren die sogenannten Tigerstaaten in Asien das Opfer einer ähnlichen Operation. Damals prangerte der Premierminister von Malaysia, Soros Raubzüge öffentlich an.* Diese Raubzüge nützen allerdings nicht nur den Oligarchen, sondern auch dem US-Imperialismus. Für die US-Imperialisten ist es natürlich wichtig, Staaten in ihrer Entwicklung zu bremsen, sie von Zeit zu Zeit zurück zu stutzen, um zu verhindern, daß sie zu möglichen Rivalen werden könnten. In dem nationalen Sicherheitsmemorandum NSSM-200 legte die US-Regierung ganz offiziell ihre Ziele fest. Diese besagen, daß den USA die Kontrolle über alle Rohstoffe der Welt zustehe und das die Bevölkerungsentwicklung in anderen Ländern die nationale Sicherheit der USA berührt! Zu Beginn des Krieges von George W. Bush gegen den Irak, war von Vize-Präsident Cheney sehr Aufschlußreiches zu vernehmen. Er sagte, daß die Soldaten von heute nicht nur Kampfanzüge trügen, sondern manche auch Nadelstreifenanzüge.

*„Der gebürtige Ungar George Soros, Milliardär und Super-Spekulant, habe den Verfall südostasiatischer Währungen durch ‘eine Intrige’ gezielt verursacht: “Wir arbeiten 30 – 40 Jahre, um unsere Länder auf dieses Niveau zu bringen”, zürnte (Malaysias Premierminister) Mahathir, “aber dann kommt einer mit einigen Milliarden Dollar, und in einem Zeitraum von zwei Wochen hat er das meiste unserer Arbeit zunichte gemacht”. [Der Spiegel 32/97)

Die heutige “Finanzoligarchie” der englischsprachigen Welt ist zu einem unverzichtbaren Element des US-Imperialismus geworden. Anders herum ist auch der US-Imperialismus von größter Bedeutung für die “Inzucht-Dynastie”, denn er stellt die militärische Macht dar, hinter der sich diese kriminellen Elemente verstecken können. Wirtschaftskriminalität und Imperialismus sind hier zwei Seiten der selben Medaille. Dies läßt sich auch an den Personen der US-Administration darstellen. So war Vize-Präsident Cheney im Aufsichtsrat der Firma Haliburton.

Diese Erdöl-Explorationsfirma hat nun Exklusivrechte im besetzten Irak und betrügt noch dazu den US-Steuerzahler mit überhöhten Preisen. Die meisten anderen Mitglieder der US-Administration sind auch Mitglied in Aufsichtsräten von Medienkonsortien, Waffen-Firmen und Öl-Firmen. Präsident George W. Bush ist durch seinen Vater auch an vielen Ölgeschäften beteiligt, wobei die langjährigen intensiven Geschäftsbeziehungen der Familie Bush und der Bin-Laden-Sippe aus Saudi-Arabien besondere Beachtung verdienen. Die Kontrolle des Ölpreises ist ein wichtiges Element US-amerikanischer Machtpolitik. So waren die Beziehungen der USA zu Saudi-Arabien und Kuwait der Schlüssel dazu, den Ölpreis niedrig zu halten, was seinerzeit den Irak, nach dem Krieg gegen den Iran, in große Schwierigkeiten brachte. Ein anderes Land, welches unter einem anhaltend niedrigen Ölpreis zu leiden hatte, war die Sowjetunion. Eines ist unwiderlegbar: Die US-Regierung setzt den Ölpreis als Waffe ein.

Nichts hat die Geschichte der letzten hundert Jahre so geprägt wie der Kampf um die Kontrolle der Weltölreserven. Schlüsselindividuen und -institutionen sind oder waren: David Rockefeller, Henry Kissinger, Zbigniew Brzezinski, Winston Churchill, der Council on Foreign Relations, die Bilderberger und die Trilaterale Kommission.

In den Massenmedien wird bewusst verheimlicht, dass in den USA die “City of London” und private Bankiers, nicht die US-Regierung die Macht über das Geld in den Händen hält …

Deepwater Horizon Katastrophe – zwei Jahre danach

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http://www.wsws.org/index.shtml

Genau am Freitag vor zwei Jahren tötete eine Explosion auf der BP-Ölförderplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko elf Arbeiter und bewirkte die schlimmste Umweltkatastrophe der amerikanischen Geschichte.

Bis das Leck geschlossen werden konnte, strömten fast fünf Millionen Tonnen Öl in den Golf von Mexiko. Damit ist dies die größte je durch einen Unfall verursachte Ölverseuchung. Die Ölverschmutzung verursachte von Texas bis Florida Hunderte Milliarden Dollar Schaden an der lokalen Wirtschaft. Die Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen und das Ökosystem des Golfs werden Jahrzehnte lang zu spüren sein. Das Ausmaß der Folgen ist noch gar nicht abzusehen.

Bis zum heutigen Tag ist noch nicht ein Schuldiger vor Gericht zur Verantwortung gezogen worden, weder BP-Manager, noch Führungspersonal von Transocean, dem Besitzer der Plattform, oder der Baufirma Halliburton, welche die Plattform gebaut hatte. Der Ölgigant BP hat bis heute noch keinen Cent Strafe an die amerikanische Regierung bezahlt.

Gleichzeitig macht BP schon wieder Superprofite. Für 2011 wies die Firma einen Profit von 26 Milliarden Dollar aus, nach einem Verlust von vier Milliarden Dollar im Jahr zuvor. In den kommenden Jahren erwartet die Firma noch höhere Gewinne, weil ein Ansteigen der Ölpreise zu erwarten ist, und neue Bohrungen in Aussicht stehen.

Im November erhielt BP seit dem Unfall die erste Erlaubnis der Küstenwache für eine neue Bohrung. Sie wird 250 Meilen südwestlich von New Orleans liegen und 330 Meter tiefer ansetzen als bei dem Macondo-Feld, wo die Deepwater Horizon Katastrophe stattfand. Der Konzern bemüht sich verstärkt um die Erlaubnis, in noch abgelegeneren Gebieten, wie der Arktis, zu bohren.

Am Mittwoch erzielte BP eine Einigung mit ca. einhunderttausend Fischern, Hotelbesitzern und weiteren Betroffenen, deren Lebensgrundlage und Gesundheit der Ölausbruch beeinträchtigte. Das Abkommen beendet die Spekulationen, dass der Ölkonzern die gesamten dafür beiseitegelegten zwanzig Milliarden Dollar an Schadenersatz auszahlen müsse.

Nach dem Clean-Water-Gesetz müsste der Konzern bis zu siebzehn Milliarden Dollar Strafe an die Regierung zahlen. Die Firma ist zuversichtlich, weniger zahlen zu müssen, und hat dafür nur 3,6 Milliarden Dollar beiseite gelegt.

Der Grund, warum BP so schnell wieder so profitabel arbeiten und seine gefährlichen Unternehmungen wieder aufnehmen kann, liegt in der Politik der Obama-Regierung. Die amerikanische Regierung handelte vor, während und nach der Umweltverschmutzung im Interesse des Ölgiganten.

Wie zahlreiche andere Projekte, genehmigte die Regierung (erst unter Bush und später unter Obama) die Deepwater Horizon Bohrung des BP-Konzerns in einem verkürzten Verfahren. Die Firma durfte mit der Arbeit anfangen, ohne eine Umweltbelastungsstudie durchzuführen, und Obamas Innenminister Ken Salazar schaltete sich ein, um ein Gerichtsurteil zu stoppen, welches das Projekt verzögert hätte.

Weil Deepwater Horizon hinter der Planung herhinkte, trafen BP-Vorstände spezifische Entscheidungen, um die Kosten zu senken und die Sicherheit zu opfern. Die Aufsichtsbehörden schauten weg und segneten die Pläne des Konzerns ab, ohne Fragen zu stellen.

Als die Katastrophe zuschlug, ließ das Weiße Haus alle Reinigungs- und Rettungsmaßnahmen in den Händen von BP und ermöglichte dem Konzern, Beweismittel zu fälschen und zu zerstören. Faktisch erwiesen sich die Aufsichtsbehörden und die Küstenwache als verlängerter Arm des Konzerns, dem in den Monaten nach dem Unglück an der Golfküste quasi diktatorische Vollmachten verliehen wurden.

Von Anfang an machte die Obama-Regierung klar, dass die Katastrophe keinen Moment lang ihre Entschlossenheit mindern werde, Probebohrungen vor den Küsten auszuweiten. Drei Tage nach der Katastrophe, die schon elf Menschen das Leben gekostet hatte, erklärte der Pressesprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, den Medien: „Wir brauchen eine gesteigerte Produktion. (…) Das war wohl nicht der erste Unfall, und es wird auch nicht der letzte sein.“

Noch Wochen nach der Explosion akzeptierten und verbreiteten die Regierung und die Medien kritiklos die eigennützigen Angaben des Konzerns über den Umfang des Ölaustritts und seine Konsequenzen. Die Falschinformationen spielten eine wichtige Rolle dabei, Wissenschaftler, Ingenieure und andere zu hindern, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Katastrophe in Grenzen zu halten.

Als das Ausmaß der Katastrophe nicht mehr zu verheimlichen war, beeilte sich die Regierung, BP und seine Vorstände zu schützen. Der „unabhängige“ Wiedergutmachungs-Zar Kenneth Feinberg wurde mit Zustimmung von BP eingesetzt, um die Entschädigung der Betroffenen zu regeln. Er bemühte sich, die Ansprüche zu begrenzen, und erklärte, seine Beteiligung sei „ein hilfreiches Signal“ an Investoren.

Die Reaktion der Regierung auf die BP-Katastrophe entsprach ihrer Reaktion auf die Finanzkrise. Mit ihrer rücksichtslosen Jagd nach Profiten verursachen die Konzerne Chaos in Wirtschaft und Umwelt. Unter dem Schutz der Regierung können sie ihren kriminellen Aktivitäten straflos nachgehen. Am Ende machen sie mehr Profit denn je.

Die BP-Katastrophe und ihre Folgen sind eine Anklage an das kapitalistische System, das sämtliche Aspekte des Lebens der Anhäufung von Reichtum auf Seiten einer privilegierten Elite unterordnet. Die elementarsten Erfordernisse eines zivilisierten Lebens sind nicht mit einem System vereinbar, das politisch wie ökonomisch von einer Wirtschafts- und Finanzaristokratie dominiert wird.

Wenn die Macht der Konzerne und Banken nicht gebrochen wird, muss die Gesellschaft mit weiteren, noch schlimmeren Katastrophen rechnen. Und in der Tat: Nur ein Jahr nach der schlimmsten Ölverschmutzung der Geschichte ereignete sich mit der Kernschmelze im japanischen Atomkraftwerk von Fukushima die zweitschlimmste zivile Nuklearkatastrophe aller Zeiten. Im letzten Jahr hat es zudem drei weitere große Ölunfälle gegeben: in China, vor der Küste Brasiliens und in der Nordsee.

Die BP-Katastrophe ist ein Argument für den Sozialismus. Die globale, komplexe und verwobene moderne Massengesellschaft darf nicht länger dem irrationalen, anarchischen und gesellschaftlich schädlichen Streben nach persönlichem Profit und Bereicherung untergeordnet bleiben. Die Konzerne müssen dem Privateigentum entzogen und unter die demokratische Kontrolle der gesamten Gesellschaft gestellt werden.

Die Gier ist wieder da

gelesen bei: http://www.zeit.de/index
Die Finanzmarktkrise ist kaum überwunden, da steigen die Boni. Und in Londons City macht ein mysteriöser Banker rekordverdächtige Geschäfte.

Die Finanzkrise ist mehr als drei Jahre her. Doch noch immer sind 13 Millionen Amerikaner ohne Job. 600.000 Häuser wurden allein in den vergangenen drei Monaten zwangsversteigert. Aber es gibt auch Zeichen der Besserung, etwa bei den Vergütungen von Spitzen-Bankern der Wall Street.

Jamie Dimon, Chef bei JP Morgan Chase, erhielt für seine Dienste im vergangenen Jahr 23 Millionen Dollar. Wells Fargo zahlt CEO John Stumpf knapp 18 Millionen Dollar, da fällt der Zahltag von Lloyd Blankfein, an der Spitze von Goldman Sachs, mit 16 Millionen Dollar fast schon bescheiden aus.

Das Comeback der Boni kommt allerdings nicht überall gut an. Als Citigroup – ein Institut, das sein Überleben staatlicher Stützung verdankt – ankündigte, Vorstandschef Vikram Pandit 15 Millionen Dollar zahlen zu wollen, rebellierten die Aktionäre. Selbst professionellen Geldverwaltern, an großzügige Entlohnung gewöhnt, war das zu viel. „Gute Bezahlung für Unternehmenschefs ist angemessen, aber es gibt einen Unterschied zwischen gut und obszön“, sagte Brian Wenzinger, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Aronson Johnson Ortiz, der fünf Millionen Citi-Anteile hält. Bei einer Abstimmung lehnte die Mehrheit der Anteilseigner Pandits Bonanza ab.

Macht der Anleger ist beschränkt

Einen derartigen Aufstand gegen Vorstandsvergütungen hat es bisher in den USA nirgends gegeben. „Das ist ein Meilenstein für Corporate America. Endlich werden die Aktionäre aktiv in Sachen Vergütung“, sagte Mike Mayo, ein bekannter Bankenanalyst, der die Finanzbranche seit Jahrzehnten beobachtet. Ob Pandits Bonus tatsächlich gekürzt wird, bleibt jedoch abzuwarten: Die Macht der Eigentümer ist dank des herrschenden Aktienrechts beschränkt, ihr Votum ist rein rechtlich nicht bindend für den Citi-Aufsichtsrat.

Doch die Rückkehr der Boni ist nur ein weiteres Anzeichen für die Frühlingsstimmung an der Wall Street. Die Krise hat die Denkweise der Banker kaum verändert. Nach wie vor pflegen die großen Häuser vor allem den Handel mit komplexen Wertpapieren wie Derivaten, um auf ihre Profite zu kommen. Die Bank of America etwa erzielte im ersten Quartal mehr als vier Milliarden Dollar mit dem Handel von festverzinslichen Papieren, Rohstoffen und Devisen – ein Plus von fast elf Prozent und ein neues Hoch für die Bank.

Zugleich fiel der Ertrag im Geschäft mit Privatkunden und kleinen Unternehmern um zwölf Prozent. Kein Wunder, dass sich die Banken mit aller Macht gegen die Reformen stemmen, die ihre Aktivitäten im Handel einschränken würden. Die Zeit des In-der-Ecke-Stehens-und-Schämens soll jetzt vorbei sein, finden ihre Führungsleute. Banken hätten ein Recht auf Profite, gab Brian Moynihan, Chef von Bank of America, in einem Interview trotzig zu Protokoll. Seine Bank ist für die meisten Wackelhypotheken zuständig und gehört zu den Instituten, die wegen der hohen Zahl missbräuchlicher Zwangsenteignungen von mehreren Generalstaatsanwälten an den Pranger gestellt wurde.

„Überdrehte“ Regeln für den Markt

Besonders lautstark protestiert JP Morgans Chef Jamie Dimon. Die neuen Regeln strangulierten die Banken, bemängelte er. Politiker und Aufseher hätten die Erholung behindert. Die Banker klagen besonders über die Volcker Rule, eine Regel, benannt nach dem ehemaligen US-Notenbankchef Paul Volcker. Sie soll den Banken verbieten, mit ihrem Eigenkapital am Markt zu zocken und so die Steuerzahler vor erneuten teuren Rettungsaktionen schützen.
Die Volcker Rule ist das Kernstück der Reformpolitik von Präsident Barack Obama. „Überdreht“ sei die neue Vorschrift, sagt JP-Chef Dimon, der nach eigenem Eingeständnis die 285 Seiten des Gesetzesvorschlag noch nicht einmal gelesen hat.

Dass die Regel komplex ausfällt, ist Mitschuld der Wall Street: Die Banken haben Hunderte von Lobbyisten nach Washington geschickt, um jedes Detail der Vorschrift zu beeinflussen – und möglichst viel Spielraum zu behalten. Ihr jüngster Erfolg: Die zuständigen Behörden und die Notenbank als Oberaufsicht haben das Inkrafttreten der Volcker Regel auf 2014 verschoben.

Schwierige Abgrenzung für die Banken

Die Bedenken der Banker lassen sich nicht komplett von der Hand weisen. Denn zu den Aufgaben der Banken in der modernen Finanzwelt gehört auch eine Mittlerfunktion zwischen Marktteilnehmern wie Unternehmen, Anlegern und Regierungen. Die Banken treten etwa bei Aktien, Anleihen oder Devisen als Handelspartner auf und sorgen dadurch mit dafür, dass kontinuierlich Angebot und Nachfrage im Markt sind. Gewinne, die dabei anfallen, sind die Belohnung für diese sogenannte Market-Maker-Tätigkeit.

Es ist deshalb extrem schwierig, so das Argument der Banken, eine klare Linie zwischen diesen legitimen Transaktionen und solchen auf eigene Rechnung und Risiko zu ziehen, die künftig unter der Volcker Rule verboten sein sollen.

Wie verworren die Angelegenheit ist, zeigt die Aufregung um den sogenannten „Wal von London“. Das ist der Spitzname, den die Wall Street dem Londoner Händler einer Großbank gegeben hat, der sich in den vergangenen Wochen auffällig massiv mit bestimmten Kreditderivaten eindeckte. Der Wal dominiert den Markt mit diesen Produkten, mit denen sich auf Zahlungsausfälle von Unternehmen wetten lässt, inzwischen.

Nun sickerte durch, der Wal sei Bruno Iksil. Der Mann, von dem kaum Näheres bekannt ist, arbeitet als einer von etwa 400 Händlern in der Abteilung Chief Investment Office bei JP Morgan Chase in London. Die Abteilung verwaltet rund 350 Milliarden Dollar und ist unter anderem für die Risikoabsicherung der Portfolios und die Verwaltung von Cash-Polstern der Bank verantwortlich.

Der Wal gewann, andere verloren

Gerüchte um den Wal kamen auf, nachdem der Handel in jenem Sektor allein in den vergangenen drei Monaten um 60 Prozent wuchs – ohne dass es sichtbare Gründe dafür gibt. Wer so viele Kontrakte wie der Wal halte, mache nichts anderes, als eine enorme Derivatewette zu plazieren. Die könne verheerende Verluste und Kettenreaktionen auslösen, warnen Insider. Oder aber satten Gewinn bescheren.

Iksil hat laut Berichten mit einer ähnlichen Aktion kräftig gewonnen, als er im vergangenen Jahr auf Kreditausfälle von Unternehmen setzte – und die US-Fluglinie American Airlines Insolvenz anmeldete. Hedge Funds, die dabei gegen Iksil gehalten hatten, verloren angeblich 25 Prozent.

JP Morgan sagt dazu offiziell nichts. Doch die Bank ließ durchsickern, die Transaktionen seien mit Wissen der Vorgesetzten getätigt worden. Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg überprüfte allerdings die Vorgeschichte von Iksil und seinem Team: Viele Verantwortliche der Abteilung waren zuvor im Eigenhandel tätig. Das Chief Investment Office verwaltet inzwischen vier Mal mehr Kapital als noch vor der Krise. Wie auch immer die Volcker Rule in zwei Jahren aussieht: An der Wall Street werden Wale so schnell nicht aussterben.

Das Kapital und der Tod

Von Peter Achten, Peking

Das Oberste Chinesische Volksgericht hat in einem spektakulären Fall überraschend die Todesstrafe ausgesetzt. Das die Öffentlichkeit aufwühlende Urteil soll in einem neuen Prozess vom Obersten Gericht der Küsten-Provinz Zhejiang überprüft und allenfalls revidiert werden.

eim juristischen Hickhack geht es einerseits um die Todesstrafe, andrerseits um die Finanz- und Bankenreform.

Die heute 31 Jahre alte Geschäftsfrau Wu Ying, Besitzerin der Bense Holding Gruppe, galt einst nach der „Hurun-Liste der Reichen“ als sechst-reichste Frau der Volksrepublik. Ihr Reichtum wurde auf 3,6 Milliarden Yuan (umgerechnet rund 530 Millionen Franken) geschätzt. Sie war in vielen Geschäften engagiert, vor allem im Kreditwesen.

Von 2005 bis 2007 hat sie rund 770 Millionen Yuan (110 Mio Franken) bei Privaten aufgenommen mit dem Versprechen auf hohe Renditen. Dabei soll sie laut Anklage Investoren für über 300 Millionen Yuan betrogen haben. Wu wurde auf dem Pekinger Flughafen auf einer Geschäftsreise verhaftet.

Im Finanzsektor sind Reformen nötig

Das gesammelte Geld hatte Wu an kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) zu sehr hohen Zinsen weiterverliehen. Dieses Business lief deshalb so gut, weil es für KMUs praktisch unmöglich war, Kredite von Staatsbanken zu bekommen. Erstaunlich, denn die KMUs generieren immerhin satte 80 Prozent der chinesischen Arbeitsplätze. Rund 70 Prozent der KMUs sind aber wegen des Monopols der Staatsbanken auf Kredite von Privaten angewiesen. Der Vorsteher des Rates der Stadt Wenzhou zur KMU-Förderung sagte der Parteizeitung „Global Times“: „Der Fall von Wu Ying mag wie ein Einzelfall aussehen, aber es gibt Zehntausende von ähnlichen Fällen“. Wu Ying war also im illegalen Geschäft der Schatten-Banken aktiv. Für viele Kommentatoren war nach dem ersten Urteil klar, dass im chinesischen Finanzsektor dringend Reformen nötig sind. In der Blogger-Gemeinde wurde das Todesurteil harsch kritisiert, und der Ruf nach Zulassung von Privatkreditinstituten und Bankenreform war unüberhörbar.

Für die KMUs inadäquat

Premierminister Wen Jiaobao schaltete sich in die Diskussion ein an der Pressekonferenz zum Abschluss der Nationalen Volkskongresses Mitte März. Es sei klar, dass mittlere und kleinere Betriebe einen grossen Kapitalbedarf hätten, sagte Wen. Klar sei auch, dass das Finanz- und Bankensystem für die Bedürfnisse der KMUs inadäquat sei. „Diese Bedürfnisse wiederum können von den grossen Banken nicht befriedigt werden“, sagte Wen, „und gleichzeitig gibt es viel Kapital, das nutzlos brach liegt“. Wen setzte noch eins drauf und forderte Reformen, welche das Monopol der Staatsbanken brechen sollten.

Praktische Schritte wurden umgehend eingeleitet. Wie immer bei Reformen in China wird zunächst an einem Ort getestet. Die Wahl eines Pilot-Projektes fiel – nicht ganz zufällig – auf Wenzhou in der Provinz Zhejiang. Wenzhou war schon früh nach Beginn der Reform in den 80er Jahren ein Paradies für Kleinunternehmer. In Wenzhou wurde die chinesische Finanzkrise auch am deutlichsten sichtbar und lieferte landesweit Schlagzeilen.

Das Monopol der Staatsbanken brechen

Das Schattenbanksystem führte nämlich zu unhaltbaren Zuständen. Nicht nur in Wenzhou, dort aber in besonders krassem Ausmass. Die Zinsen waren nicht nur enorm hoch, oft waren es schlicht Wucherzinsen. Viele konnten die Schulden nicht mehr bedienen. Über hundert Unternehmer in Wenzhou machten sich aus dem Staub oder begingen Selbstmord. Mit der Legalisierung privater Verleiher und privater Kreditfirmen wird das Schattenbanksystem nun ausgehebelt und das Monopol der Staatsbanken gebrochen.

Das erste 2009 verhängte Todesurteil des Gerichts in Jinhua (Provinz Zhejiang) gegen Milliardärin Wu Ying wurde ans Oberste Provinzgericht weitergezogen, das aber das Todesurteil im Januar 2012 bestätigte. Seit sechs Jahren muss jedes Todesurteil vom Obersten Chinesischen Volksgericht überprüft werden. Und jetzt im April 2012 der überraschende Spruch der obersten Richter. Kein Wunder deshalb, dass in der lebendigen Blogger-Szene nicht nur Finanzen und Banken sondern auch die Todesstrafe zum Thema wurden.

Todesstrafe auf Bewährung

Nicht dass die Todesstrafe in China selbst von liberal denkenden Chinesen in Frage gestellt würde. Im Gegenteil, kein einziger meiner chinesischen Bekannten ist gegen die Todesstrafe. Repräsentative Umfragen zeigen denn auch deutlich, dass eine überwältigende Mehrheit dafür ist. Noch 1995 ergab eine Studie der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften CASS eine Zustimmungsquote von 95 Prozent. Vor fünf Jahren allerdings fiel in Teilstudien in den reichen, entwickelten Gebieten wie Peking oder Guangdong die Zustimmung auf 58 Prozent. Viel hängt laut all diesen Umfragen auch von der Art des Verbrechens ab. Bei Mord, Vergewaltigung, Kindsentführung, Drogenhandel, bewaffnetem, schwerem Raubüberfall oder flagranter, schwerer Korruption ist die Zustimmung sehr viel grösser als etwa bei Wirtschaftsdelikten oder Steuerhinterziehung. Insgesamt gibt es derzeit 55 Delikte, die mit dem Tod geahndet werden können.

Im Falle von Wu Ying ist das Gesetz klar: bei Vermögensdelikten mit sehr hohen Summen – im Falle von Wu ist das mit weit über eine halbe Milliarde Yuan klar gegeben – ist die Todesstrafe vorgesehen. Möglich ist – eine chinesische „Spezialität“ – auch die Todesstrafe mit zweijähriger Bewährung, das heisst bei Einsicht und guter Führung wird nach zwei Jahren das Todesurteil in Lebenslänglich umgewandelt.

Bis zu zehntausend Hinrichtungen pro Jahr

Bei einem gültigen Verdikt nach obligatorischer Überprüfung durch das Oberste Chinesische Volksgericht muss die Exekution innerhalb einer Woche erfolgen, am besten, so der Gesetzgeber, gleich nach dem Urteil. Heute wird in der Regel der Fälle mit der Giftspritze – offiziell „weil humaner“ – hingerichtet. Früher wurden Verurteilte entweder mit Genickschuss oder von einem Pelloton der Bewaffneten Volkspolizei zu Tode gebracht. Öffentliche Hinrichtungen wie früher gibt es nicht mehr. Auch werden die Verurteilten nicht mehr auf Lastwagen dem Volk vorgeführt. Noch Mitte der 1980er Jahre erlebte ich in Peking nicht selten, dass auf einem offenen Armeelastwagen zum Tode Geweihte zur Hinrichtungsstätte gefahren wurden. Oft lachten sie und hatten eine kleine Tafel vor der Brust, auf der gut sichtbar Schwarz auf Weiss ihre Untaten aufgelistet waren. Heute werden in der Volksrepublik je nach Schätzung zwischen zwei- und zehntausend Menschen pro Jahr hingerichtet. Die genaue Zahl ist streng gehütetes Staatsgeheimnis.

Der Fall der Milliardärin Wu Ying ist alles in allem sowohl ein Test für die Justiz als auch für die Ernsthaftigkeit der Finanz- und Banken-Reform. Nachdenklich fragt ein Mikro-Blogger auf Weibo – der chinesischen Twitter-Variante – , ob denn Wu Ying der Tod auch erspart geblieben wäre, wenn ihr Fall nicht derart landesweit an die grosse Glocke gehängt worden wäre…

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Ermotti haut den Ossie

Alter und neuer UBS-CEO machen ihren Hass publik – „Smartie“ Sergio im Hoch nach UK-Freispruch.
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Der Angriff kam am Ende des Interviews. Ob Sergio Ermotti zu Recht doppelt so viel verdiene wie Vorgänger Oswald “Ossie” Grübel, fragte die SonntagsZeitung. “Nein, Grübel ist natürlich der Beste”, meinte Ermotti.

Die ganze Ironie lag im Wörtchen “natürlich”. Wer um das gespannte Verhältnis der beiden Top-Banker weiss, hörte Ermotti sagen: Grübel ist eingebildet, arrogant und overrated.

Es folgte Sergios Geschoss. Grübel habe auf seinen Bonus verzichtet, “weil er seine Ziele nicht erreicht hat – vielleicht glaubte er auch, dass er das musste, um in der Öffentlichkeit gut dazustehen.”

Bumm! Eine volle Ladung gegen das lebende Denkmal von Swiss Banking.

Mit Ossie hat Ermotti offensichtlich abgeschlossen. “Ich lese seine Interviews nicht mehr”, meinte der Ober-Grossbanker, und soll laut den Interviewern dabei gar gelacht haben.

Der Krieg der UBS-Commanders begann vor 5 Monaten. Es geht um die Flughoheit über die Wahrheit rund um die jüngere Vergangenheit der wechselvollen UBS-Geschichte.

Ist Sergio Ermotti ein “Smartie”, der von der Krise nach dem Derivate-Crash von London profitierte? Oder passt der neue starke Mann der wichtigsten Schweizer Finanzinstitution in die grossen Schuhe seines Vorgängers?

Für Grübel ist die Antwort seit langem klar. Der Basler Zeitung sagte der Ex-UBS-CEO in seinem ersten grossen Interview nach seinem Rücktritt, dass er in Ermotti lediglich eine Verlegenheitslösung mit dem richtigen Pass sieht.

“Ich war in die Entscheidung nicht involviert”, sagte Grübel zur Frage, ob Ermotti das Rennen gemacht habe, weil er Schweizer sei.

Dann holte Grübel zu jenem Schlag aus, den ihm Ermotti nie verzeihen würde. “Aber ich glaube schon, dass der Verwaltungsrat gedacht hat: Wenn schon ein Schweizer zur Verfügung steht, dann nehmen wir den auch.”

Ich, ein Verlegenheitskandidat? Für den von allen Seiten hochgelobten Ticino hero war das wohl das Vernichtendste, war einer über ihn sagen konnte.

Hinter den Kulissen zieht Ermotti seither über jenen Manager her, der in vor einem Jahr zu sich in die Konzernleitung der Grossbank geholt hatte. Vom ersten Tag an mochten sich die beiden Schwergewichte nicht riechen.

Von aussen bekam man das nicht mit. Im Gegenteil, Ermottis Verpflichtung passte in die damalige Landschaft. Die UBS brauchte frisches Blut an der Spitze.

Zwei Mal hatte der Clooney-Banker-Typ den Sprung nach ganz oben verpasst. Nach Machtwechseln schied Ermotti sowohl bei der US-Investmentbank Merrill Lynch als auch beim Italo-Finanzkonzern Unicredit aus.

Nun gabs neue Hoffnung. Grübel hatte Gefallen am Swiss Banker ohne Stelle gefunden und offerierte Ermotti den Job als Europa-Chef.

Das war eine Querschnittsfunktion ohne richtigen Power. Ermotti akzeptierte trotzdem, erdreistete sich aber beim Antritt zu fragen, wie denn die Chancen auf die CEO-Krone stünden.

Von da an war das Tuch zwischen den Zwei zerrissen. Das Übrige taten die Medien. Zeitungen stilisierten den neuen Kadermann vom Tag seines Stellenantritts an zum Favoriten für die Grübel-Nachfrage hoch.

Für Grübel ein No-go. Erstens hatte der Über-Banker andere Pläne: Er wollte seinen deutschen Investmentbank-Chef Carsten Kengeter zum Chef machen und diesen als Nachfolger von Kaspar Villiger im Präsidentenstuhl ein paar Jahre lang weiter coachen.

Zweitens vertrug es Grübel schlecht, dass seine Neuverpflichtung im ganzen Haus für Aufregung sorgte, nur weil ihn die Medien zum CEO-Favoriten hochjubelten,

“Es ging nicht um seine eigene Position”, meint ein hoher UBS-Kadermann. “Ihm könne eh niemand das Wasser reichen, befand Grübel. Doch der ganze Wirbel um diesen Ermotti ging ihm auf den Kecks.” Es sei die damit verbundene Unruhe gewesen, die Grübel geärgert habe, sagt die Quelle.

Als Ermotti nach dem Crash von London Ende September auf den Schild gehoben wurde, war er nur dritte Wahl für die Grübel-Nachfolge. Doch die vor ihm liegenden Kengeter und COO Ulrich Körner schieden vorzeitig aus.

Kengeter stand nach den 2 Milliarden Verlust im Regen, Körner schätzte seine Chancen für eine definitive Berufung durch den VR als gering ein, und für ein Interregnum war er nicht zu haben. Ermotti sah darin seine Chance und packte sie.

Mit dem gestrigen Interview zog der UBS-CEO einen Schlussstrich unter das Kapitel Grübel und dessen Kritik an seiner Person. Ob Ermotti mehr ist als ein Sunnyboy, wird sich unter dem neuen Präsidenten Axel Weber rasch zeigen. Der langjährige Bundesbank-Präsident gilt als machtbewusst und autoritär.

Im Moment hat Ermotti Aufwind. Gemäss Financial Times gewann die UBS einen viel beachteten Revisionsprozess in London.

Ihr früherer UK-CEO John Pottage habe seine Aufsichts- und Sorgfaltspflichten nicht gravierend verletzt, urteilten die Richter.

Zuvor war Pottage von der Bankenaufsicht zu einer Busse von 100’000 Pfund verurteilt worden. Er hätte einen Betrugsskandal mit indischen Vermögenden rascher und rigoroser aufarbeiten müssen.

Das sind Good news für die UBS und deren Risk Management. Doch die wahre Nagelprobe steht noch bevor.

Die Untersuchungen gegen Crash-Trader Kweku Adoboli laufen hinter den Kulissen auf Hochtouren. UBS-CEO Ermotti hat bereits angetönt, dass die Erkenntnisse der Aufseher unschön ausfallen dürften.

Ob Ermotti ein geborener Leader ist, der die geprügelte UBS zu neuen Ufern führen kann, wird sich nicht zuletzt bei der Aufarbeitung des Adoboli-Falls zeigen.

Bisher rollten nur subalterne Köpfe sowie jener des obersten Aushängeschilds des Kontrollbereichs, der Kurzzeit-Risikochefin Maureen Miskovic. Die seit Jahren starken Figuren der internen Kontrolle, die beim Adoboli-Crash offensichtlich versagten, blieben hingegen verschont.

Generationenbuch Wir retten die Welt in fünf Schritten

Vertrieben aus der Komfortzone: Die Autorin Kathrin Fischer analysiert in „Generation Laminat“ den herrschenden Zeitgeist der Mittelschicht. Das ist aller Ehren wert.

Es nimmt kein Ende mit den Generationenbüchern. Hüteten sich jedoch zuletzt die jungen Autorinnen und Generationsbetrachterinnen Nina Pauer und Meredith Haaf (oder deren Verlage), das Wörtchen „Generation“ im Titel zu nennen (Wir haben (keine) Angst hieß Pauers Buch, Heult doch! das von Haaf), so kennen Kathrin Fischer und der Münchener Knaus Verlag keine falsche Scheu und rufen mal wieder eine neue Generation aus: die Generation Laminat. Das ist laut Fischer jene Generation, die es sich schon bald nicht mehr leisten kann, Wohnungen mit Parkettfußböden zu mieten oder zu kaufen. Stattdessen muss sie mit Laminat vorlieb nehmen, dem Holzabfall, wie Fischer eingangs erklärt. Die 1967 in Frankfurt am Main geborene Autorin weiß daher, „dass ich aus eigener Kraft nicht den Wohlstand erzeugen kann, in dem ich aufgewachsen bin. Ich dachte, mein Leben ginge immer so weiter, wie es begonnen hat. Tut es aber nicht, flüstert mir jeden Morgen das Laminat in meiner Mietwohnung zu.“

Kathrin Fischer beschreibt, wie es für ihre Generation, die in den sechziger und siebziger Jahren in Wohlstand aufwuchs und gut ausgebildet ist, nicht mehr nur nach oben geht, so wie bei ihren Eltern der Nachkriegsgeneration. Die Laminatgeneration muss sich immer öfter auch mit prekären Arbeitsverhältnissen, mit Arbeitslosigkeit und Hartz IV gar, und mit Rentenängsten auseinandersetzen, kurzum: mit der Vertreibung aus der „Komfortzone“.

Fischer macht das zum einen, wie man das von Büchern dieser Art nur allzu gut kennt: Sie erzählt häufig in der ersten Person Plural. Und sie hat so einige Jörgs, Allys, Michaels, Annas und Christines in ihrem Freundeskreis, deren Leben und deren Aussagen ihre These „Mit uns beginnt der Abstieg“ stützen. Die Generation Laminat ist in diesen Passagen also auch stilistisch die Nachfolgerin der beiden Generationen Golf von Florian Illies. Nur fehlen halt die Heiterkeit und Unbesorgtheit. Das bringt die Angst vor dem Abstieg, der vermeintliche Ernst der Lage nun einmal mit sich.

Bröckelnde Eckpfeiler der Gesellschaft

Zum anderen aber will Fischer nicht nur jammern und vom Generationsbuchboom zumindest selbst ein wenig profitieren, sondern auch analysieren. Hier wird ihr Buch interessant, politisch gar. Sie fragt sich „in welcher Gesellschaft wir eigentlich leben wollen“ und legt dar, wie nach der ersten Ölkrise 1973 der Neoliberalismus das erste Mal sein Haupt erhob und das keynesianische Wiederaufbaumodell „in eine tiefe Krise“ geriet. Mit Reagan, Thatcher und Kohl, später mit Tony Blair und Gerhard Schröder kam in den westlichen Industriestaaten eine Politikergeneration an die Macht, die dem Markt immer freiere Zügel ließ und den Sozial- und Wohlfahrtsstaat nach und nach umbaute.

Als „bröckelnde Eckpfeiler“ der Gesellschaft benennt Fischer die Arbeit, den Staat und die Familie und untersucht unser sich immer weiter wandelndes Verhältnis dazu. Dafür hat sie viele Gespräche mit Soziologen, Philosophen und Journalisten geführt und so einiges gelesen, von unter anderem Ulrike Herrmanns Abhandlung Hurra, wir dürfen zahlen über Tony Judts nachgelassene Schrift Dem Land geht es schlecht bis zu Robert Castels Büchern Die Krise der Arbeit und Die Stärkung des Sozialen.

Ihre Lesefrüchte verweisen auf tatsächlich sehr viel weiterführende Literatur. Sie kommen aber natürlich Fischers populärer Generationserzählung in die Quere, weshalb die Jörgs und Annas und Allys irgendwann nur noch wie statische Pappkameraden wirken. Immerhin vermag Fischer zusammenzufassen: „Die aufstiegsversessene Mittelschicht will nicht wahrhaben, dass sie nicht zu denen da oben gehört.“ Und ihr Anliegen zu formulieren: „Es geht mir nicht darum, meine persönliche Position im Leben zu beklagen. Es geht mir darum, dass der allgemeine Wohlstand, der in diesem Land, das zu den reichsten der Welt gehört, durchaus vorhanden ist, sich immer mehr auf immer weniger Menschen konzentriert. Dass diese Einkommens- und Machtkonzentration politisch gefördert wird.“

Diese Anklage ist aller Ehren wert, diese Analyse eines politischen und wirtschaftlichen Zeitgeistes, zu der sich Generation Laminat zunehmend entwickelt. Am Ende bekommt das Buch appellativen Charakter. Da weiß die inzwischen als PR-Referentin der Universität Flensburg tätige Autorin zunächst mit Ulrike Hermann, dass es das erste sein muss, „den schlichten Weg der Aufklärung“ zu gehen, um der „zunehmenden Ungleichheit“ zu begegnen. Dann erzählt sie, Mitglied bei Attac geworden zu sein, Bank und Stromanbieter gewechselt zu haben und keine Kurzurlaube mehr mit dem Flugzeug zu machen.

Und schließlich legt sie eine „Weltrettungsanleitung“ in fünf Punkten vor, die etwas Anmaßendes wie Selbstverständliches zugleich hat und von „sich schlau machen“ bis zu „politisch handeln“ reicht. Doch will Fischer eben auch aufrütteln, daran appellieren, dass jeder Einzelne etwas tun kann und Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen sollte. Wenn es dann trotzdem nur für Laminat reicht, lässt sich das zumindest besser ertragen.
quelle: http://www.zeit.de/index