Ermotti haut den Ossie

Alter und neuer UBS-CEO machen ihren Hass publik – „Smartie“ Sergio im Hoch nach UK-Freispruch.
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Der Angriff kam am Ende des Interviews. Ob Sergio Ermotti zu Recht doppelt so viel verdiene wie Vorgänger Oswald “Ossie” Grübel, fragte die SonntagsZeitung. “Nein, Grübel ist natürlich der Beste”, meinte Ermotti.

Die ganze Ironie lag im Wörtchen “natürlich”. Wer um das gespannte Verhältnis der beiden Top-Banker weiss, hörte Ermotti sagen: Grübel ist eingebildet, arrogant und overrated.

Es folgte Sergios Geschoss. Grübel habe auf seinen Bonus verzichtet, “weil er seine Ziele nicht erreicht hat – vielleicht glaubte er auch, dass er das musste, um in der Öffentlichkeit gut dazustehen.”

Bumm! Eine volle Ladung gegen das lebende Denkmal von Swiss Banking.

Mit Ossie hat Ermotti offensichtlich abgeschlossen. “Ich lese seine Interviews nicht mehr”, meinte der Ober-Grossbanker, und soll laut den Interviewern dabei gar gelacht haben.

Der Krieg der UBS-Commanders begann vor 5 Monaten. Es geht um die Flughoheit über die Wahrheit rund um die jüngere Vergangenheit der wechselvollen UBS-Geschichte.

Ist Sergio Ermotti ein “Smartie”, der von der Krise nach dem Derivate-Crash von London profitierte? Oder passt der neue starke Mann der wichtigsten Schweizer Finanzinstitution in die grossen Schuhe seines Vorgängers?

Für Grübel ist die Antwort seit langem klar. Der Basler Zeitung sagte der Ex-UBS-CEO in seinem ersten grossen Interview nach seinem Rücktritt, dass er in Ermotti lediglich eine Verlegenheitslösung mit dem richtigen Pass sieht.

“Ich war in die Entscheidung nicht involviert”, sagte Grübel zur Frage, ob Ermotti das Rennen gemacht habe, weil er Schweizer sei.

Dann holte Grübel zu jenem Schlag aus, den ihm Ermotti nie verzeihen würde. “Aber ich glaube schon, dass der Verwaltungsrat gedacht hat: Wenn schon ein Schweizer zur Verfügung steht, dann nehmen wir den auch.”

Ich, ein Verlegenheitskandidat? Für den von allen Seiten hochgelobten Ticino hero war das wohl das Vernichtendste, war einer über ihn sagen konnte.

Hinter den Kulissen zieht Ermotti seither über jenen Manager her, der in vor einem Jahr zu sich in die Konzernleitung der Grossbank geholt hatte. Vom ersten Tag an mochten sich die beiden Schwergewichte nicht riechen.

Von aussen bekam man das nicht mit. Im Gegenteil, Ermottis Verpflichtung passte in die damalige Landschaft. Die UBS brauchte frisches Blut an der Spitze.

Zwei Mal hatte der Clooney-Banker-Typ den Sprung nach ganz oben verpasst. Nach Machtwechseln schied Ermotti sowohl bei der US-Investmentbank Merrill Lynch als auch beim Italo-Finanzkonzern Unicredit aus.

Nun gabs neue Hoffnung. Grübel hatte Gefallen am Swiss Banker ohne Stelle gefunden und offerierte Ermotti den Job als Europa-Chef.

Das war eine Querschnittsfunktion ohne richtigen Power. Ermotti akzeptierte trotzdem, erdreistete sich aber beim Antritt zu fragen, wie denn die Chancen auf die CEO-Krone stünden.

Von da an war das Tuch zwischen den Zwei zerrissen. Das Übrige taten die Medien. Zeitungen stilisierten den neuen Kadermann vom Tag seines Stellenantritts an zum Favoriten für die Grübel-Nachfrage hoch.

Für Grübel ein No-go. Erstens hatte der Über-Banker andere Pläne: Er wollte seinen deutschen Investmentbank-Chef Carsten Kengeter zum Chef machen und diesen als Nachfolger von Kaspar Villiger im Präsidentenstuhl ein paar Jahre lang weiter coachen.

Zweitens vertrug es Grübel schlecht, dass seine Neuverpflichtung im ganzen Haus für Aufregung sorgte, nur weil ihn die Medien zum CEO-Favoriten hochjubelten,

“Es ging nicht um seine eigene Position”, meint ein hoher UBS-Kadermann. “Ihm könne eh niemand das Wasser reichen, befand Grübel. Doch der ganze Wirbel um diesen Ermotti ging ihm auf den Kecks.” Es sei die damit verbundene Unruhe gewesen, die Grübel geärgert habe, sagt die Quelle.

Als Ermotti nach dem Crash von London Ende September auf den Schild gehoben wurde, war er nur dritte Wahl für die Grübel-Nachfolge. Doch die vor ihm liegenden Kengeter und COO Ulrich Körner schieden vorzeitig aus.

Kengeter stand nach den 2 Milliarden Verlust im Regen, Körner schätzte seine Chancen für eine definitive Berufung durch den VR als gering ein, und für ein Interregnum war er nicht zu haben. Ermotti sah darin seine Chance und packte sie.

Mit dem gestrigen Interview zog der UBS-CEO einen Schlussstrich unter das Kapitel Grübel und dessen Kritik an seiner Person. Ob Ermotti mehr ist als ein Sunnyboy, wird sich unter dem neuen Präsidenten Axel Weber rasch zeigen. Der langjährige Bundesbank-Präsident gilt als machtbewusst und autoritär.

Im Moment hat Ermotti Aufwind. Gemäss Financial Times gewann die UBS einen viel beachteten Revisionsprozess in London.

Ihr früherer UK-CEO John Pottage habe seine Aufsichts- und Sorgfaltspflichten nicht gravierend verletzt, urteilten die Richter.

Zuvor war Pottage von der Bankenaufsicht zu einer Busse von 100’000 Pfund verurteilt worden. Er hätte einen Betrugsskandal mit indischen Vermögenden rascher und rigoroser aufarbeiten müssen.

Das sind Good news für die UBS und deren Risk Management. Doch die wahre Nagelprobe steht noch bevor.

Die Untersuchungen gegen Crash-Trader Kweku Adoboli laufen hinter den Kulissen auf Hochtouren. UBS-CEO Ermotti hat bereits angetönt, dass die Erkenntnisse der Aufseher unschön ausfallen dürften.

Ob Ermotti ein geborener Leader ist, der die geprügelte UBS zu neuen Ufern führen kann, wird sich nicht zuletzt bei der Aufarbeitung des Adoboli-Falls zeigen.

Bisher rollten nur subalterne Köpfe sowie jener des obersten Aushängeschilds des Kontrollbereichs, der Kurzzeit-Risikochefin Maureen Miskovic. Die seit Jahren starken Figuren der internen Kontrolle, die beim Adoboli-Crash offensichtlich versagten, blieben hingegen verschont.

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