Schwarzbuch nimmt WWF und Monsanto ins Visier

BildSchwarzbuch nimmt WWF und Monsanto ins Visier

Kurt Marti / 10. Mai 2012 – Im kürzlich erschienenen «Schwarzbuch WWF» kommt der WWF erneut unter Beschuss, insbesondere im Zusammenhang mit Monsanto.

Im vergangenen März hat Infosperber die Haltung des Soja-Netzwerkes Schweiz zum Anbau von Gen-Soja des Gentech-Konzerns Monsanto kritisiert (siehe Link unten). Zum Soja-Netzwerk gehört auch der WWF Schweiz. Das kürzlich erschienene «Schwarzbuch WWF: Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda» untermauert die Kritik von Infosperber. Autor des Buches ist Wilfried Huismann, der im letzten Jahr mit seinem Film «Der Pakt mit dem Panda» Aufsehen erregte. Im Buch von Huismann kommt neben vielen anderen auch der Unternehmensberater Jochen Koester zu Wort: «In Sachen Gentechnik fühle ich mich vom WWF über den Tisch gezogen». Koester ist im weltweiten Sojageschäft eine bekannte Grösse. Den Handel mit Gen-Soja lehnt er wegen der schädlichen Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen konsequent ab.

Der runde Tisch für «verantwortungsvolle» Soja

Koester war Mitglied der Arbeitsgruppe «Runder Tisch für verantwortungsvolle Soja» (RTRS). Der runde Tisch wurde u. a. vom WWF ins Leben gerufen. Die erste Sitzung fand im März 2005 in einem Luxushotel in Brasilien statt. Geleitet wurde die Sitzung von Yolanda Kakabadse, der heutigen Präsidentin des WWF International. Die Adresse des RTRS-Vereins war mit jener des WWF Schweiz an der Hohlstrasse 110 in Zürich identisch. Am runden Tisch nahmen teil: Die Agrar- und Nahrungsmittelkonzerne Unilever, Daniels Midland, Cargill, Bunge, Louis Dreyfus, die Geldinstitute Rabo Bank und HSBC-Bank, die Pestizid-Produzenten DuPont, Pinoeer und Bayer, sowie die Agroenergie-Konzerne BP und Shell.

Monsanto setzte sich durch: Gen-Soja erhielt den Persilschein

Bei der Gründung des RTRS-Vereins war sich Koester sicher, «dass Gen-Soja nie und nimmer ein Nachhaltigkeitssiegel bekommen wird». Doch er sollte sich täuschen. 2009 wurden die beiden Gentech-Konzerne Monsanto und Syngenta als Vollmitglieder des runden Tisches aufgenommen. Bereits ein Jahr später wurden die RTRS-Richtlinien im Interesse von Monsanto abgeändert; mit der Stimme des WWF, wie Huismann in seinem Buch festhält. Neu galt auch «gentechnisch modifizierte Soja» als «verantwortlich produziert». Monsanto hatte sich durchgesetzt. Gen-Soja erhielt einen Persilschein. Für Koester ist klar: «Die Folge wird sein, dass in Zukunft 80 bis 90 Prozent des als nachhaltig zertifizierten Soja aus gentechnisch manipuliertem Saatgut stammen».

Der WWF Deutschland und der WWF Schweiz versuchen auf ihren Internetseiten Huismanns Kritik wortreich – aber letztlich erfolglos – zu widerlegen. Auf den beiden Internetseiten ist ein fast identischer «Faktencheck» aufgeschaltet. Darin stellt der WWF zwei Behauptungen auf, welche Huismann in seinem Buch ausführlich und faktenreich widerlegt:

1. «Der WWF lehnt Gentechnik ab»

Dieser WWF-Behauptung hält Huismann entgegen, dass es innerhalb des WWF International massgebliche Vertreter gibt, die eine gegenteilige Meinung vertreten. Dabei verweist er auf den US-Amerikaner Jason Clay, «der sich offen zum Anbau von Gen-Soja bekennt und der gemeinsam mit dem Gentech-Konzern Monsanto die Anwendung der Gentechnik auch bei vielen anderen Pflanzen verlangt». Jason Clay ist Vizepräsident des WWF USA und Koordinator für den Bereich Marktbeziehungen und Agrarpolitik beim WWF International. Clay ist also «die offizielle Stimme des WWF in dieser Sache».

Der WWF Deutschland versucht sich herauszureden: Einzelne Länderorganisationen würden «eine neutrale Position zur Gentechnik» vertreten, beispielsweise USA oder Argentinien. Beim WWF Schweiz heisst es hingegen, einzelne Länderorganisationen würden «eine andere Position zur Gentechnik» vertreten. Die beiden WWF-Länderorganisationen sind sich offenbar nicht einig. Eine «andere Position» bedeutet eine zustimmende Haltung zur Gentechnik, aber keine neutrale, wie der WWF Deutschland dies behauptet. Fazit: Auch wenn der WWF Deutschland und der WWF Schweiz die Gentechnik ablehnen, ändert das nichts daran, dass massgebliche Kreise im WWF die Gentechnik befürworten. Das ist das interne Dilemma des WWF und nicht der Fehler des Buchautoren und Filmemachers Huismann, den der WWF deshalb sogar vor den Richter zerrte.

2. «Es gibt keine Kooperation mit Monsanto»

Auch diese WWF-Behauptung widerlegt Huismann: «Der WWF hat mit Monsanto, Syngenta, Bayer, Nestlé, Cargill und anderen Teilnehmern des Round Table on Responsible Soy (RTRS) beschlossen, dass das RTRS-Zertifikat für ‚verantwortungsvollen Anbau‘ jetzt auch für Gen-Soja gilt». Dabei verweist Huismann auf den RTRS-Standard, der ausdrücklich «gentechnisch modifiziertes Soja» einschliesst. Zudem vertrete auch das Büro des WWF in Brüssel «bei Hearings mit der Europäischen Union sehr massiv das RTRS-Zertifikat und hat mit durchgesetzt, dass es von der EU als Beweis für ‚nachhaltig‘ gewonnene Biomasse im Rahmen der Erneuerbare-Energien-Richtlinie anerkannt wird». Mit Hilfe des WWF sei es der Gentechnikbranche gelungen, «in Europa einen grossen Fuß in die Tür zu bekommen».

Erstaunlicherweise schreibt Monsanto selbst von einer Zusammenarbeit. Auf der Internetseite von Monsanto steht nämlich: «2009 wurde Monsanto eingeladen, am Runden Tisch für verantwortungsvolle Soja teilzunehmen, welcher dem Konzern erlaubt, mit den Interessengruppen der Soja-Produzenten, der Zivilgesellschaft, der Industrie und des Handels zusammenzuarbeiten, um umweltfreundlichere Handelsmodelle zu entwickeln». Zur Zivilgesellschaft gehört auch der WWF.

Die RTRS-Adresse beim WWF in Zürich wurde plötzlich transferiert

Es ist schon sonderbar, wie sich der WWF von Monsanto zu distanzieren und dafür die direkten Spuren zum RTRS-Verein zu verwischen versucht. Im «Schwarzbuch WWF» zitiert Huismann dazu ein internes Strategie-Dokument des WWF International vom 17. Februar 2009. Darin beschäftigt sich die internationale WWF-Führung mit dem Problem, wie man sich aus dem Dunstkreis von Monsanto entfernen könnte. Neben anderen Massnahmen empfiehlt das WWF-Papier auch eine Sofortmassnahme, nämlich «die registrierte Adresse des RTRS zu ändern». Laut Auszug aus dem Handelsregister des Kantons Zürich wurde der RTRS-Sitz tatsächlich im Juni 2009 transferiert: Vom WWF-Sitz an der Hohlstrasse 110 in Zürich an die Adresse von Marc R. Büttler, Holenstein Rechtsanwälte AG, Utoquai 29/3 in Zürich.

WWF-Club der 1001: Von Agnelli über Springer bis Mobuto

Wenn der WWF Deutschland und der WWF Schweiz die «Kooperation» mit Monsanto abzustreiten versuchen, dann ist in diesem Zusammenhang das Verhältnis des WWF zu den Mächtigen dieser Welt von Interesse. Unter dem Kapital «Tango mit Monsanto» gibt Huismann einen spannenden Einblick in das internationale Netzwerk des WWF, insbesondere publiziert er die Namen des verschwiegenen «Clubs der 1001», welcher sich jedes Jahr zum Panda-Ball trifft.

Die Aufnahmegebühr beträgt 25 000 Dollar. Die Mitgliederliste ist geheim. Huismann gelang es, die Mitgliederliste aus den Jahren 1978 und 1987 ausfindig zu machen. Die Liste ist eine Ansammlung der wirtschaftlich und politisch Mächtigen bis hin zu blutigen Diktatoren, von Fiat-Chef Giovanni Agnelli über Axel Springer bis zu Zaires Diktator Mobuto. Von besonderem Interesse ist das Mitglied Nummer 572: José Martinez de Hoz, der Wirtschaftsminister der blutigen Militärdiktatur in Argentinien und Gründungsvater des Fundacion Vida Silvestre (FVS), der Partnerorganisation des WWF in Argentinien. Er gilt als einer der Pioniere des Soja-Anbaus in Argentinien und hat damit viel Geld verdient. Heute steht er unter Hausarrest.

qualle: http://www.infosperber.ch/

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