„Europa ist auf dem Weg ins Chaos“

Der Ökonom und Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, hat in der Stadthalle Bitburg die Ursachen und Auswirkungen der europäischen Wirtschaftskrise beleuchtet. Mehr als 200 Gäste haben seinen Vortrag verfolgt.


Der Leiter des Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, erklärt in der Stadthalle seine Sicht auf Europa. TV-Foto: Uwe Hentschel

Bitburg. An diesem Abend werden Optimisten auf eine harte Probe gestellt: „Der Weg, den Europa geht, ist der direkte Weg ins Chaos“, „Der Euro ist das Verderben für Griechenland und keinesfalls die Rettung“, „Wenn man der Bundesbank Geld gibt, ist es weg“, „Deutschland boomt, und der Grund dafür ist nicht der Euro, sondern die Krise des Euro“. Es sind keine Stammtischparolen, die der Redner da von sich gibt, sondern Schlussfolgerungen dessen, was anhand von Zahlen belegt wird. Zahlen, die sich im zwölf- bis dreizehnstelligen Bereich bewegen und die Situation Europas verdeutlichen.
„Ich will den Euro halten – wie wir alle hier – doch es geht darum, die Realität zu erkennen“, sagt Hans-Werner Sinn. Der Ökonomieprofessor und Leiter des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) ist auf Einladung des Landrats Joachim Streit sowie der Kreissparkasse Bitburg-Prüm in die Eifel gekommen, um über die Ursachen und Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise zu referieren. Bereits jetzt liege der deutsche Anteil an der Rettung Europas bei mehr als 700 Milliarden Euro, erklärt Sinn, und die Aussichten, etwas zurückzubekommen, seien mehr als gering.
Das größte Problem ist für den Finanzexperten dabei keineswegs nur die wirtschaftliche Situation in Griechenland. „Spanien hat eine Billion Euro Außenschulden und damit mehr als Griechenland, Irland, Portugal und Italien zusammen“, sagt Sinn, der für eine Verkleinerung der Euro-Zone plädiert. Nur so könne ein Zusammenbruch des Euro verhindert werden, und auch nur so hätten die Krisenländer überhaupt eine Chance. Es sei absoluter Irrsinn, dass ein Land wie Griechenland holländische Tomaten importiere. „Das Kernproblem ist, dass diese Länder zu teuer sind“, erklärt der Ökonom, für den eine radikale Abwertung und damit Preis- und Kostensenkung in den Krisenländern unausweichlich sind. Zudem sei es unverantwortlich, dass diese Länder seitens der EU immer weiter mit Krediten versorgt würden, ohne irgendwelche Sicherheiten zu haben.
Eine gute Nachricht hat der Wirtschaftsprofessor aber dann doch: „Solange die Krise schwillt, bleibt der Bauboom in Deutschland erhalten“, sagt er. Die deutsche Wirtschaft brumme, weil aufgrund der Krise die Zinsen für Baukredite auf einem absoluten Tiefststand seien.
Sein fast schon sarkastisches Fazit zum Ende seines knapp zweistündigen Vortrags: „Das Vermögen ist zwar weg, aber wir haben noch viel zu tun.“

quelle: volksfreund

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