EZB: Erst Zins-Sozialismus, dann Währungsreform?

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Die Monetarisierung der Staatsschulden durch die Notenbank ist der letzte Schritt vor einem immer stärker werdenden Vertrauensverlust der Menschen in ihre Währung. Bei jenen, die sich intensiver mit unserem Wirtschafts- und Geldsystem beschäftigen, ist diese Angst schon längst angekommen.

 

von Roland Klaus

Wenn es stimmt, was der SPIEGEL schreibt, dann steht die Europäische Zentralbank vor einem weiteren verhängnisvollen Schritt in der Geldpolitik. Angeblich sollen für alle Euroländer Zinsziele festegelegt werden, bei deren Überschreiten die Notenbank einschreitet und unbegrenzt Anleihen aufkauft. Dabei handelt es sich dem Bericht zufolge jedoch nicht um absolute Zinsgrenzen, sondern um den Abstand zu den Zinsen, die der vermeintlich stabilste Schuldner Deutschland zu zahlen hat. Die EZB würde also immer dann eingreifen, wenn beispielsweise die Rendite spanischer Anleihen mehr als zwei Prozentpunkte über jener von Bundesanleihen liegt.

 

Das Ergebnis einer solchen Politik dürfte kurzfristig eine deutliche Beruhigung der Finanzmärkte sein, die damit eine starke Ration ihrer Droge namens frisches Geld bekommen, von der sie zuletzt immer abhängiger geworden sind.

 

Mittel- bis langfristig öffnet die EZB jedoch endgültig die Büchse der Pandora und setzt damit verhängnisvolle Mechanismen in Kraft.

 

  1. Die Zinsen der europäischen Staatsanleihen werden weitgehend den Marktkräften entzogen und in eine Art sozialistische Planwirtschaft überführt.

 

  1. Damit sinkt der Druck auf die Krisenländer, sich durch wirtschaftliche Reformen wettbewerbsfähig zu machen. Dazu gehören vor allem eine Flexibilisierung der Arbeitsmärkte, eine Senkung von Subventionen und staatlicher Bürokratie sowie eine Entlastung der Sozialsysteme, beispielsweise durch spätere Renteneintrittsalter. Politiker werden ohne entsprechenden Druck vermutlich genau das Gegenteil tun, siehe die jüngste Senkung des Rentenalters in Frankreich.

 

  1. Zudem gibt die EZB damit völlig die Kontrolle über das von ihr aufzukaufende Volumen auf. Legt sie tatsächlich nur eine relative Obergrenze für den Zins fest, dann wäre sie gezwungen, sämtliche Anleihen aufzukaufen, die ihr die jeweilige Regierung um die Ohren haut. Sie begibt sich damit in ein ähnliches Dilemma wie die Schweizer Notenbank, die sich darauf festgelegt hat, den Wechselkurs des Euro bei 1,20 Franken zu stabilisieren und seitdem eigene Währung in theoretisch unbegrenzter Höhe drucken muss, um Euro anzukaufen.

 

  1. Die Zinsen für Bundesanleihen dürften deutlich steigen, weil die Anleger Deutschland durch die Garantien der EZB nicht mehr als unbedingten sicheren Hafen sehen. Damit zahlt wieder einmal derjenige die Zeche, der vergleichsweise am solidesten gewirtschaftet hat.

 

Wir befinden uns damit unglücklicherweise ziemlich genau auf dem Weg, den ich in meinem Buch „Wirtschaftliche Selbstverteidigung“ für die Eurozone vorgezeichnet habe. Die Monetarisierung der Staatsschulden durch die Notenbank ist der letzte Schritt vor einem immer stärker werdenden Vertrauensverlust der Menschen in ihre Währung. Bei jenen, die sich intensiver mit unserem Wirtschafts- und Geldsystem beschäftigen, ist diese Angst schon längst angekommen. Sie zeigte sich erst in den steigenden Goldpreisen und nun in dem Run auf Immobilien an guten deutschen Standorten.

 

Die breite Masse der Bevölkerung hat diese Angst bisher kaum erreicht. Doch das dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, wenn die EZB ihre Pläne wahr macht. Die Folge wird dann sein, dass auch dieser Teil der Bevölkerung dem Geld immer weniger als langfristiges Wertaufbewahrungsmittel vertraut. Die Antwort wird hier jedoch nicht im Kauf von Immobilien bestehen, sondern darin, das Geld durch verstärkten Konsum möglichst schnell wieder auszugeben. Dies dürfte die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes erhöhen und damit für Preissteigerung sorgen. Eine Zersetzung der Währung und letztlich ein Aufsprengen der Eurozone wären die Folge.

 

 

Wir können nur hoffen, dass die Pläne der EZB bestenfalls als kurzzeitig einzusetzende Strategie in der Schublade liegen, beispielsweise um im Fall des Austritts eines Mitgliedslandes die Anspannung der Märkte zu lindern. Die Kräfteverhältnisse im EZB-Rat, in dem die Profiteure einer solchen Maßnahme in der Mehrheit sind, lassen jedoch ahnen, dass die Planwirtschaft zum Dauerzustand werden könnte.

www.wirtschaftliche-selbstverteidigung.de

 

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