Familiendrama : Wenn Schulden tödlich sind

quelle: iknews

Immer häufiger kommt es zu absoluten Kurzschlußreaktionen, wo häufig eine ganze Familie ausgelöscht wird. Nicht selten spielt hierbei die wirtschaftlich meist aussichtslose Situation eine wichtige Rolle. Der Druck von allen Seiten nimmt zu, persönlich empfinden sich solche Täter häufig als Versager. Das Leben an sich scheint den Stellenwert verloren zu haben und nur noch die Stellung in der Gesellschaft ist erfüllend. Warum das immer häufiger zur Auslöschung von ganzen Familien führt, ist zwar rein emotional nicht zu verstehen, allerdings rationell nachvollziehbar. Selbsttötung und Mord scheinen hier der letzte Ausweg zu sein. Eine Gesellschaft am Scheideweg.
Erst vor wenigen Tagen drehte ein Vater in Berlin nach Medienangaben durch und tötete seine ganze Familie. Als vermutlicher Grund für die Tötung seiner zwei Kinder (3 und 6) sowie seiner 28 jährigen Frau, werden hohe Schulden vermutet. Was ist das für eine Gesellschaft, in der Menschen in solche Situationen geraten können?

Bereits im zarten Alter von Schulkindern beginnt die Zweiklassengesellschaft, die einen die haben und können und die Anderen die gerne hätten und könnten. Besonders Kinder können in solchen Fällen sehr grausam werden und die so genannten Versager sind sehr schnell erkannt und isoliert. In meiner Kindheit wurde ich selber bis ans Ende der Grundschule Opfer dieser Mobbingattacken, da unsere wirtschaftliche Situation mehr als bescheiden war. Die Kleidung meiner beiden älteren Geschwister aufzutragen oder in die Kleiderkammer zu gehen waren für mich in den meisten Fällen obligatorisch.

Irgendwann begegnete ich den Angriffen auf mich einfach mit stumpfer Gewalt, was dann dazu führte, dass ich aus der reinen Opferrolle heraus kam, jedoch mich selbst zum Täter machte. Anfangs beschränkte sich die Gewalt noch auf die “Angreifer” später wurde diese für mich zum Tagesgeschäft, was dann zu weiteren großen Problemen führte. Der Druck aus der Gesellschaft machte mich so zum Täter, nur da ich nicht mehr der Versager sein wollte.

Was aber ist das für eine Gesellschaft, die nur fordert? Eine Gesellschaft die deine Persönlichkeit von den Einkommensverhältnissen der Eltern abhängig macht? Eine Gesellschaft, welche die Meßlatte derart hoch hängt, dass alle nur damit beschäftigt sind wenigstens mal auf Augenhöhe mit dieser Latte zu kommen? Es ist eine Wachstumsgesellschaft, die alle Werte aus den Augen verloren hat und in der Menschen die “versagt” haben, Taten begehen, die durch nichts zu rechtfertigen sind. Getrieben von Werbung und falschen Hoffnungen, das Seelenheil zu finden im neuen Ipad, welches man sich eigentlich nicht leisten kann. Im Leasingwagen, der die ganze Familie in die Schulden treibt.

Warum wird der Konsum über Kredit derart geheiligt und die Menschen damit ins Unglück getrieben? Die Antwort ist Simpel, “Profit” ist wichtiger als das Leben geworden und dieses ist ein weiteres großes systematisches Problem.

Sieht man sich heute an, was ein banaler Kinobesuch mit ein paar Tüten Popcorn und einer Cola für eine Familie kostet, dann ist die “Normalverdienerschicht” schon raus und muss es sich entweder eisern vom Munde absparen oder eben das Konto belasten. Alle Notwendigen Dinge wie Energie oder Nahrung explodieren förmlich im Preis, nicht unbedingt der Garten Eden.

Zum Abschluss möchte ich feststellen, dass viele der Täter zuvor Opfer waren. Opfer des Profites, der Gier und des unheimlichen gesellschaftlichen Drucks. Vielleicht waren auch Sie oder ich einmal daran beteiligt jemandem einen abwertenden Blick zuzuwerfen, weil er eben nicht zur gehobenen Mittelschicht gehört. Da ich selber aus sehr rudimentären Verhältnissen stamme, kann ich sehr gut nachvollziehen, wie so jemand sich fühlt. Heute jedoch, obwohl meine finanzielle Situation sehr komfortabel ist, beneide ich manche, die glücklich und zufrieden sind mit dem einfachen Leben und sich nicht wie die Hamster im Rad drehen um “dabei sein zu dürfen”.

An dieser Stelle noch ein Zitat, im stillen Gedenken an die Opfer:

“Lebensqualität ist, dass man Sachen kauft die man nicht braucht, mit Geld, das man nicht hat, um Leuten zu imponieren, die man nicht einmal mag.”

Carpe diem

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