Große Konzerne reagieren auf Rückkehr der Armut in Europa

gelesen bei: wirtschaftsfacts

Die Rückkehr der Armut in Europa ist für den Lebensmittelriesen Unilever eine ausgemachte Sache. Aus diesem Grunde feilt das Management des Konzerns bereits an Verkaufsstrategien, die sonst nur in schnell wachsenden Schwellen- oder Entwicklungsländern zum Einsatz kommen. Vor allem in den Südländern der Eurozone minimieren sich die für einen Einkauf zur Verfügung stehenden Budgets immer stärker. Wundern braucht man sich über diese Entwicklung ganz sicher nicht bei Arbeitslosenquoten von offiziell bis zu 25%.

Konzerne beginnen mit der Lancierung von Absatzstrategien, die sonst nur in Entwicklungsländern zum Einsatz kommen

Europas Staatsschuldenkrise wird zu einer Rückkehr der Armut auf dem ganzen Kontinent führen. Ganz besonders gilt dies für die mit dem Rücken zur Wand stehenden Südländer der Eurozone, wo die Arbeitslosigkeit offiziell bereits zwischen 15% und 25% erreicht hat. Da in Staaten wie Griechenland, Spanien und Portugal vor allem der Bank- und Kreditsektor stark geschädigt ist, bricht der Konsum in diesen Ländern immer stärker ein. Ein Kauf auf Kredit wird dort immer schwieriger, was zum Beispiel deren jüngst gemeldete Importzahlen belegen.

Mit dieser Entwicklung geht eine enorme Veränderung der bislang bekannten Konsumgewohnheiten der Verbraucher einher, wie es sie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr gegeben hat. In Griechenland floriert beispielsweise wieder ein reger Tauschhandel, der zum Ziel hat, das bestehende Geldsystem im Hinblick auf den Erwerb von Alltagsgütern zu umgehen. Große Konzerne wie Unilever richten sich auf diese Situation nun verstärkt ein, um entsprechend darauf zu reagieren.

Wie Jan Zijderveld, Chef des Europa-Geschäfts des Lebensmittelriesen Unilever, in einem Interview gegenüber der Financial Times Deutschland erklärte, kehre die Armut in Europa wieder zurück. Neueste Analysen hätten ergeben, dass spanische Verbraucher im Durchschnitt nur noch €17 Euro pro Einkauf ausgäben. Um sich an dieses Ausgabeverhalten anzupassen, werde der Konzern nun verstärkt auf kleinere Verpackungen mit geringeren Inhalten setzen, die preislich an die Budgets der Verbraucher angepasst werden könnten.

Wundern muss man sich über diesen negativen Trend ganz sicher nicht. Wenn man sich die Lage in Griechenland genauer anschaut, so fällt auf, dass der Staat eigentlich nur noch oberflächlich existiert. Eine fünf Jahre in Folge anhaltende Wirtschaftskrise, die sich längst zu einer Depression ausgeweitet hat, hält das Land fest im Griff. Während der Konsum und die Handelsabsätze immer weiter einbrechen, pulverisiert sich das soziale Netz immer stärker, nachdem viele Griechen ihr Kapital ins Ausland schafften.

Steuern werden an den Staat oftmals nur noch marginal transferiert, die Kontrolle ist löchrig wie ein Schweizer Käse. Lohn- und Pensionseinschnitte von bis zu 40% haben einen nicht geringen Teil der Griechen in die Armut gestoßen, die bereits so weit reicht, dass eine immer größere Anzahl von Müttern ihre Kinder aussetzt oder bei kirchlichen oder staatlichen Einrichtungen zur Pflege und Betreuung abgibt. Die junge Generation hat bei einer Jugendarbeitslosigkeit von nahezu 50% kaum noch eine Perspektive im eigenen Land, weshalb der Wunsch nach Auswanderung ins europäische Ausland schlichtweg in die Tat umgesetzt wird. Kaum anders sieht es in Spanien und Portugal aus.

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