„Die Lügen“ der Banker und Ökonomen erleben ein Comeback

gelesen bei: the intelligence

„Was kümmert mich das Geschwätz vom 7. Zwerg rechts unten“, so (sinngemäß) kanzelte der österreichische Ex-Regierungschef Schüssel von der ÖVP (dem Alpen-Ableger der CDU) Kritiker an seiner Person oder seinem Führungsstil von „Hinterbänklern“ ab. War das vorherrschende Führungsverhalten Kohls, wenn es darum ging, heikle Situationen zu bewältigen, durch Aussitzen geprägt – so ist das große Schweigen ein charakteristisches Merkmal des Verhaltens sowohl dem Herrn Schüssel als auch Frau Merkel zuzuordnen. Dies in der sich immer wieder bestätigten Hoffnung, dass angesichts der Schnelllebigkeit der (negativen) Neuigkeiten, ihre eigenen Fehler, Unzulänglichkeiten vor allem aber die Defizite ihres Charakters, bald durch andere Themen überlagert und schnell in Vergessenheit geraten werden.

Obwohl es in den letzten Monaten etliche Beispiele für hanebüchene Aussagen genau jener Akteure gab, die die größte Krise seit 1929 nicht erkannten oder gar als Verursacher gelten – nämlich Banker und Ökonomen – wird genau dieser „Spezies“ wieder viel Raum in den Medien gegeben. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Finanzkrise so peu a peu vom Bankerbashing seit ca. 2010 nahtlos in eine „Länderbeschimpfung“ (die faulen Griechen usw.) überging. Seit einigen Monaten sprechen (fast) alle sog. Qualitätsmedien als auch der tiefste Boulevard (Abschreiben ohne nachzudenken ist eine der leichtesten Übungen – you know!) nur mehr von einer „Staatsschuldenkrise“. Der ganz selten über den Rand der Espressotasse hinausgehende, eingeschränkte Expertenblick lässt nicht mal die einfache Erkenntnis zu, dass JEDE Bilanz immer ausgeglichen ist (der Saldo ist ja immer NULL!) und daher der Staatsschuldenkrise auf der linken Seite der Bilanz (dort wo der Daumen rechts ist) eine gleich hohe private Vermögenskrise gegenübersteht. Trotz der amtlich bestätigten Unfähigkeit sämtlicher Institutionen (siehe den Kommentar vom 18.04.2012)

stoßen, immer öfter, penetrant stinkende Medienrülpser auf, die den verräterischen Geruch der Volksverdummung in sich tragen. Exemplarisch für viele beschränke ich mich auf je ein Beispiel aus Österreich und Deutschland.

Hartz-Reformen waren für Deutschland ein Segen

„Die Reformen haben einen großen Teil zu den heutigen Erfolgen am deutschen Arbeitsmarkt beigetragen. Deshalb wäre es ein großer Fehler der Politik, sie wieder zurückzunehmen“, findet der Schweizer Ökonom Thomas Straubhaar, Leiter des Weltwirtschaftsinstitutes Hamburg, in der FAZ vom 27. August.

Die Agenda2010 sei insgesamt „ein Segen (hier gleitet Herr Straubhaar in wirtschaftsreligiöse Phrasen ab) gewesen, auch wenn viele Betroffene das sicher anders sehen“. Auch wären sowohl „Peter Hartz und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder die ersten gewesen, die offen gesagt haben, dass es mit dem ausufernden Wohlfahrtsstaat nicht weitergehen kann“ – UND: „Die Hartz-Gesetze bedeuteten das Ende der alten Bundesrepublik.“

Was den Wohlfahrtsstaat betrifft, empfehle ich dem „Boss eines WELTwirtschaftsinstitutes“ (Nomen est Omen!) einfach mal einen kurzen Blick noch etwas nördlicher – ja, ich meine z.B. Schweden – zu werfen, wo es mit einer um ca. 4-6 %-Punkte höheren Staatsquote gelungen ist, nicht nur das doppelte Wachstum im Vergleich zum „Superstaat der HartzIV Arbeitssklaven“ seit 1999 zu erzielen, sondern auch die Staatsschulden von über 50 % auf weit unter 40 % zu senken – und das ohne große Wohlfahrtseinbußen – und auch ohne EURO!

Nun – ich weiß, die lästige Empirie ist nicht wirklich in den „Hirnen“ (sie wissen: das Ding zwischen den Ohren) der deutschen Ökonomen eingebrannt. Ich will nur noch zwei seiner bizarren und ideologisch eindimensionalen Aussagen anführen:

– Dass die Gewerkschaften die prekären und atypischen Beschäftigungsverhältnisse kritisieren, tat er mit banalen Bemerkungen wie z.B. „wer sich denn anmaße festzulegen, was ein typischer oder ein untypischer Arbeitsplatz sei … und … für viele Menschen seien die sog. atypischen Beschäftigungsformen die beste Chance.“ Ich finde, bevor man in Zukunft auch nur eine einzige, neue Maßnahme solcher Sklavenhalterprogramme umsetzt, solle man sich für einen Pre-Test im Arbeitsmarkt, einfach personell im Kuriositätenkabinett der Ökonomen bedienen.

Ja, DAS meine ich persönlich und gar nicht oberflächlich !

– Auf die Frage, ob die guten Arbeitsmarktdaten neben der „Reformrendite“ – eine tolle Wortschöpfung für LOHNDUMPING – nicht nur (!) das Ergebnis des starken Aufschwunges der vergangenen Jahre sei, antwortete der WELTwirtschaftsinstitutsBOSS wie folgt: „Da müsse man ja schon blind sein, um diese Entwicklung rein auf konjunkturelle Effekte zurückzuführen“ … und „durch die gute Beschäftigungslage sei die Lohnsumme gestiegen, was wiederum zu mehr Binnennachfrage geführt und den Staatshaushalt entlastet hat.“ (?)

Eigenartig, die beiden Abbildungen zeigen genau das Gegenteil auf:

Konsumausgaben der privaten Haushalte

Entwicklung des Exportvolumens

Quelle: http://www.querschuesse.de

Zum einen ist von einem Mehr an Binnennachfrage über zehn Jahre kaum etwas zu bemerken und das die realen Arbeitnehmerentgelte bis zum Ende 2011 sanken, wird in X Berichten bestätigt. Den Grund, wieso das eindimensionale „Geschäftsmodell-Deutschland“ nur auf Exporte ausgerichtet ist, kann jeder mit freiem Auge erkennen:

Die Gewinne stiegen seit dem Jahr 2000 um ca. 70 % – synchron zum Export!

Wie wenig die ideologisch verbrämten Ansichten des Herrn Straubhaar mit der Realität zu tun haben, können Sie hier nachlesen.

2015 ist die Krise endgültig vorbei

… so die tiefschürfende Erkenntnis (oder doch eher: Vermächtnis?) eines der mächtigsten Banker von Österreich: Herbert Stepic, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen Bank International, führende Bank in Österreich und in Zentral- und Osteuropa. Die Raiffeisengruppe wurde vom österreichischen Steuerzahler mit 1,75 Mrd. Euro „gerettet“. Wann das Institut dies zurückzahlen könne, wollte er nicht sagen. Raiffeisen zahle aber acht Prozent Zinsen, meinte er. Ich will mich auch beim Herrn Stepic – gegen ihn ermittelt die Finanzmarktaufsicht was er nicht kommentieren will – nur auf ein paar kernige Behauptungen beschränken.

Auf die Frage der „Presse“, dass die Sparbuch-Zinsen auf einem Rekordtief seien und wie er selbst sein Geld veranlage, antwortete er: „Ich habe einen wesentlich größeren Teil meines Einkommens auf Sparbüchern, was ich in früheren Jahren nicht hatte. Das gute alte Sparbuch erlebt eine Renaissance, weil es sicher ist. Ich habe zum Teil von Aktien auf Sparbücher umgeschichtet“. Naja, dass ein internationaler Banker, der sich in allen Details des Bankgeschäftes – im Osten und Westen – sehr gut auskennt, es vorzieht, sein eigenes Vermögen gerade in sicheren Spareinlagen (bei einem Crash sind gerade die Spareinlagen die erste Vermögenskategorie, die große Verluste erleidet) zu veranlagen – mag glauben, wer will! Dass er auch noch einen Zinsverlust (die Inflationsrate liegt weit über den Sparzinsen) „akzeptiert“ – hat rein gar nichts mit einer (vielleicht?) beabsichtigten Beeinflussung von Sparern zu tun. I wo …

Bei der Antwort auf die konkrete Frage, wer für die Krise verantwortlich sei – Banken oder Staaten – fällt er sein Urteil, das ihn (meiner Meinung nach) als typischer „Bank_S_ter“ klassifiziert:

„Die jetzige Krise ist eine Staatenkrise“!

Ergänzend fügt er an, dass “die Krise nur in Irland und Spanien eine bankenspezifische sei. In allen anderen Ländern sind das jahrzehntelange Missstände der Politik, die dazu geführt haben, dass die Wirtschaft fehlgeleitet worden ist.“ Hugh – der Häuptling hat gesprochen!

Staatsverschuldung Österreich

Quelle: http://derstandard.at

Ach ja … dass das Kurzzeitgedächtnis (die Krise ist ja nicht durch die Insolvenz Deutschlands, Schwedens oder gar Österreichs ausgelöst worden) bei Bankern derart unterentwickelt ist, erstaunt sogar mich – aber nur ein bisserl.

DIE Frage, die seit Jahren alle bewegt: Überlebt der Euro? stellt sich (nein, sagen sie nicht, dass sie überrascht sind!) einem „Banker“ vom raumfüllenden Format eines Herrn Stepic gar nicht. „Der Euro-Rettungsschirm ist nun so groß, dass ihn auch Italien beanspruchen könnte. Doch ich gehe nicht davon aus, dass Italien auf Hilfe angewiesen ist“. ALLE Leser von „The Intelligence“ müssen sich angesichts einer solchen Aussage – die mit „naiv“ wohlwollend umschrieben ist – vor Lachen längst am Boden zusammenkrümmeln. In einem 100%en Schuldgeldsystem gibt es KEINE RETTUNG, weil der Zins als auch die Altschulden nur durch neue Schulden bezahlt werden können – anders gesagt:

Das Schuld-Geld-System ist ein klassisches Pyramidenspiel!

Ein intellektuelles Schmankerl wie Banker (vor allem im Österreich, wo ja bekanntlich der Balkan beginnt) ticken, offenbart sein Kommentar auf die Frage, wann denn die Krise zu Ende sei: „Ich gehe – wie in der Bibel – von sieben mageren Jahren aus. Die Krise hat 2008 begonnen. Daher sollten wir 2015 endgültig rauskommen.“

Na – dann !?

„Man beherrscht die Menschen mit dem Kopf. Man kann nicht mit dem Herzen Schach spielen“ (Nicolas Chamfort)

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