Verfassungsgericht segnet ESM ab…und andere News aus der Kristallkugel

quelle: uhupardo.wordpress.com

September 11, 2012

Wenn die Entwicklungen der Dinge so problemlos voraussagbar sind, kann das beruhigend wirken – und auch verdammt langweilig, weil die Überraschungen ausbleiben. Hier die Nachrichten aus der Kristallkugel: Das Verfassungsgericht segnet den ESM morgen mit ein paar kosmetischen Korrekturen ab. Spanien beantragt die “Rettung” und erhält dafür ein paar rein kosmetische Auflagen. Der Troika-Bericht über Griechenland fällt negativ aus, das Land bekommt trotzdem die nächste Milliarden-Tranche mit ein paar kosmetisch-ermahnenden Worten. Damit sind die News aus der Langfrist-Kristallkugel auch bereits vorgezeichnet.

Wenn es nach den News aus der Kristallkugel geht, wäre eigentlich alles paletti

Es gibt immer noch ein paar Science-Fiction-Fans, die hoffen, dass das Verfassungsgericht morgen den ESM aus den Angeln hebt. Völlig illusorisch natürlich, weil solche Leute vergessen, dass Urteile des höchsten Gerichts unweigerlich immer mit Politik verwoben sind. In ganz Europa würden am Donnerstag Schlagzeilen erscheinen wie “Deutsches Verfassungsgericht zerstört den Euro”. Völlig unmöglich, komplett ausgeschlossen. Der Sportwagen der Gemeinschaftswährung ist schon viel zu viele Autobahnkilometer unterwegs, als dass man ihn jetzt noch ausbremsen würde. Zu viel politisches Kapital steht auf dem Spiel, zu viele Milliarden sind investiert worden. Niemand kann und wird jetzt noch das “Stopp”-Schild aufstellen.



In Spanien hofft man,
dass man am Rettungsersuchen noch vorbei kommt. Ebenso illusorisch! Die Regierung verhandelt bereits seit Wochen zu allen Seiten, um die Bedingungen für die “Rettung” so zu gestalten, dass Rajoy am Ende sagen kann: “Seht ihr, wir bekommen jetzt Milliarden für das, was wir schon längst richtig gemacht haben, ohne weitere Auflagen!” – Das werden Draghi und Schäuble, die immer betonen, Hilfsgelder gebe es nicht ohne strenge Auflagen, natürlich ganz anders darstellen. Sie werden sagen “Ja, schon, die EZB kauft jetzt kübelweise spanische Anleihen auf dem Sekundärmarkt, aber Madrid hat strenge Auflagen dafür akzeptieren müssen.” – Die Wahrheit wird nicht in der Mitte liegen sondern weit in Rajoys eigener Hälfte bleiben. Die konservative Madrider Regierung hat das Volk mit den bisher beschlossenen Massnahmen bereits derart ausgequetscht, dass es mehr Knebel kaum noch geben kann und wird. Deswegen bleibt es auch hier bei der Rechtfertigungskosmetik.

Wenn Sie sich nun noch für den Fortgang des Griechenland-Dramas interessieren, geben wir Ihnen auch hier gerne die Nachrichten aus der Zukunft: Ende September oder Anfang Oktober legt die Troika ihren Bericht vor. Darin wird versichert, Griechenland habe nicht alle Auflagen erfüllt, brauche aber mehr Geld; man sehe das mit grosser Sorge. Andererseits erkenne man guten Willen in Athen und ausserordentliche Anstrengungen, deswegen werde die Hilfe weiter laufen. Zahlen sind eben nicht nur Zahlen, sie sind immer auch politisch interpretierbar. Weil Merkel, Draghi und alle anderen genau wissen, dass die grosse Lawine ins Rollen kommt, wenn man Griechenland fallen lässt, wird man Griechenland eben nicht fallen lassen. Alles andere wäre unkalkulierbar gefährlich.

Möchten Sie zum Schluss noch ein paar News aus unserer Langfrist-Kristallkugel, einem sündhaft teuren Sondermodell? Sehr gerne, kein Aufwand ist uns für unsere Leser zu gross: Nach den US-Wahlen frisst sich so ganz langsam die Erkenntnis in die Hirne der veröffentlichten Meinung (öffentliche Meinung ist etwas anderes!), dass die USA unvergleichlich viel mehr pleite sind als es die Europäer je sein könnten. Dass allein der Derivate-Markt mehr Luftgeld-Gefahren bietet als die komplette Euro-Krise inklusive aller Rettungsschirme. Und weil selbst alle zusammen nicht gross genug sind, die USA zu “retten”, werden sich zuerst China und nach und nach alle anderen von der “Leitwährung” Dollar verabschieden, die längst zur “Leidwährung” verkommen ist.

Dann spätestens fliegt der ganze Laden in die Luft und es zeigt sich, dass alle Anstrengungen weltweit nicht genug waren, den Erkenntnissen zu entkommen, die ein einziger Artikel schon vor langer Zeit komprisslos klar auf den Punkt gebracht hatte: “Wer ist schuld an der Krise?”

 

 

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