Dominosteinchen: Kippt Spanien, fällt Italien als nächstes…

gelesen bei: wirtschftsfacts

Immer mehr Länder der Eurozone drohen unter ihren ausstehenden Staatsschulden zu ersticken. Nach wie vor wird damit gerechnet, dass die spanische Regierung bei der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds schon bald um einen Länder-Bailout ersuchen wird. Damit befände sich dann bereits fast ein Drittel aller Eurozonen-Staaten unter dem Rettungsschirm. Doch sollte Spanien tatsächlich kippen, wird Italien wohl gleich hinterher fallen, nachdem die Bondvigilanten ohnehin auf eine solche Entwicklung wetten.

Umso mehr Länder Schutz unter dem Schirm suchen, desto schneller wird sich die Krise bis zum Kern der Eurozone durchfressen


Italiens Wirtschaft geht jetzt richtig in die Grütze; laut Regierung wird die Wirtschaft in 2012 doppelt so stark einbrechen als vormals prognostiziert / Chart: Italienisches Statistikinstitut

Ein Umfaller Spaniens wird nach Ansicht einer wachsenden Anzahl von Beobachtern sehr wahrscheinlich direkt zu einer Ansteckung der italienischen Finanzmärkte führen. Nach der viert- würde dann auch die drittgrößte Wirtschaft Europas kippen. Mit dem kleinen Alpenland Slowenien steht ein weiterer Kandidat bereit. Wie sich zeigt, droht sich die Staatsschuldenkrise in der Eurozone nach und nach bis zu deren Kern zu fressen – nämlich Frankreich und Deutschland.

Mit einem Bailout des Gesamtstaats Spanien wären unlimitierte Ankäufe von Staatsanleihen der Madrider Regierung durch die EZB verbunden, die die Zinsen zwar drücken würden. Doch im gleichen Atemzug dürften die Zinsen auf italienische Regierungsbonds deutlich steigen, nämlich solange, bis die Bondvigilanten auch die Regierung in Rom unter den permanenten Rettungsschirm ESM zwingen werden.

Es ist wirklich grotesk, wenn man bedenkt, dass immer mehr Länder der Eurozone unter einem Schirm Schutz suchen, der keinen Platz an der Sonne verheißt. Denn letztendlich werden die größten Zahlerstaaten wie Deutschland, die Niederlande oder Frankreich bald unter dieser selbst eingebrockten Last ächzen. Im letzten Akt dieser Posse werden dann auch die Zinsen in diesen Ländern deutlich anziehen, weil Investoren das Vertrauen in deren Finanzkraft verlieren.


Italiens Arbeitslosenquote befindet sich auf einem historisch sehr hohen Niveau / Chart: Italienisches Statistikinstitut

Und damit dürfte die Krise in der Eurozone in ihr Endstadium eintreten. Wenn Schuldner wie Deutschland an den Bondmärkten nicht mehr ernst genommen werden und das Vertrauen in die deutsche Regierung auf einem Tiefpunkt anlangt, dürfte ein Auseinanderbrechen der Eurozone nicht mehr zu verhindern sein. Denn auch das Schlüpfen unter den Rettungsschirm löst ja keines der unterliegenden Strukturprobleme.

Ganz im Gegenteil werden die damit verbundenen Spardiktate der Troika in den am stärksten betroffenen Ländern zu einem sozialen und gesellschaftlichen Unfrieden führen, den man seit der Großen Depression in den 1930iger Jahren nicht mehr gesehen hat. Neben den Problemen der einzelnen Regierungen gesellt sich darüber hinaus die Finanzschwäche der Bankensysteme in vielen Euro-Ländern.

Wie sich diese Situation in Italien auswirkt sieht man allein daran, dass die Regierung von Premierminister Mario Monti zuletzt davor warnte, dass die heimische Wirtschaft in diesem Jahr doppelt so stark einbrechen wird, als zuvor angenommen. Spanien und Portugal droht dasselbe Schicksal, von Griechenland ganz zu schweigen. Ob eine Wirtschaft von der Größe Italiens überhaupt zu retten sein wird, bleibt indes abzuwarten.

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