Pearl Harbor am Paradeplatz

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Angelsachsen demütigen Schweiz mit Libor-Strafe; Appeasement von UBS-Präsident endet im Desaster.

Alex Weber meinte, er habe die angelsächsischen Behörden im Griff. Mit Säuberungsaktionen im Zürcher Handelszentrum wollte der deutsche UBS-Präsident und scheinbar bestvernetzte Ex-Spitzen-Notenbanker das Terrain für eine milde Strafe präparieren.

Der Schuss ging nach hinten los. New York und London, die beiden grossen Konkurrenten des Finanzplatzes, zwingen die grösste Schweizer Bank in die Knie.

Die UBS-Führung wurde auf dem linken Bein erwischt. Unvorbereitet liess sie sich vom Angriff überraschen. Das Pearl Harbor am Paradeplatz ist selbstverschuldet.

Doch der Fall zielt tiefer. Die heutige Rekordbusse von 1,4 Milliarden Franken ist mehr als eine gerechtfertigte Strafe für systematischen Betrug eines Rings von Händlern der UBS und anderen Finanzplayern.

Sie ist eine Erniedrigung, die Höchststrafe für einen reuigen Sünder.

Im Visier ist nicht nur die UBS. Die Botschaft lautet: Schweizer Finanzplatz, du gehörst bestraft.

Dahinter steckt angelsächsische Machtpolitik im globalen Finanzsystem.

Den Amerikanern und Engländern ist das Bankenzentrum Schweiz schon lange ein Dorn im Auge. Mit dem starken Franken und dem immer noch gigantischen Offshore-Vermögensberg sind Zürich und Genf zentrale Gegenspieler der Angelsachsen.

Die Credit Suisse konnten sich die Amerikaner dank “ihrem” CEO Brady Dougan unter den Nagel reissen. Die UBS hingegen blieb trotz aller Krisen und ebenfalls vieler Angelsachsen in den Chefetagen unter Schweizer oder wenigstens europäischer Kontrolle.

Nun wollen die Amerikaner und Engländer der UBS den Meister zeigen.

Sie büssen die Bank im Libor-Skandal stärker, als sich der hochgelobte Axel Weber und seine Mitstreiter in den wildesten Alpträumen ausgemalt haben.

Was es geschlagen hat, scheint Axel Weber trotz der Erniedrigung aus Manhattan und der Londoner City weiter zu ignorieren.

“Wir schätzen es, dass UBS von den Behörden für die Qualität unserer Untersuchungen und unserer Kooperation Anerkennung erhalten hat”, sagt der UBS-Präsident.

Anerkennung bei 1,4 Milliarden Busse? So spricht ein Lamm auf dem Weg zur Schlachtbank.

Im Libor-Fall spielte die UBS gleichzeitig Täter, Polizist und Ankläger und kriegte dafür die Maximalstrafe. Nun bedankt sich ihr oberstes Aushängeschild auch noch dafür.

Ihre Libor-Betrügereien hat die Bank rigoros aufgearbeitet. Seit 2008 analysierte sie in der wohl grössten Untersuchung aller Zeiten Millionen von E-Mails und führte Hunderte von internen Einvernahmen.

Am Ende ging sie zu den Behörden und machte das, was Amerika von seinen Steuersündern verlangt: Sie zeigte sich selbst an.

Statt die UBS für ihre Mithilfe zu belohnen, wie sich dies Axel Weber und seine Konzernleitung erhofften, griffen die Ermittler zum Zweihänder.

Die Folgen reichen weit über die Grenzen des Finanzmultis hinaus. Mit dem Libor-Crash der UBS erleidet die Appeasement-Politik der Schweiz endgültig Schiffbruch.

In sämtlichen Krisen der Neuzeit – Subprime, US-Steuerstreit, Adoboli, Libor – hat sich der Finanzplatz klein gemacht. Damit hofften die Verantwortlichen, das Land vom Gröbsten zu verschonen.

Nun muss die Schweiz ernüchtert feststellen, dass sie naiv war.

Ausgerechnet UBS-CEO Sergio Ermotti ist als einer der Ersten aufgewacht. “Die Schweiz wird attackiert seit 2008″, meinte Ermotti im Frühliung. “Wir stecken mitten drin im Wirtschaftskrieg.”

Das kam spät. Das Land, geplagt vom schlechten Gewissen, hatte verlernt, sich zu verteidigen und für die eigenen Interessen zu kämpfen.

Das beginnt in Zürich und endet in Bern.

Rainer Gut, der legendäre CS-Chef, erledigte in den 1990er Jahren die gefährliche Lage mit den nachrichtenlosen Vermögen, indem er im richtigen Moment einen grossen Check schrieb.

Der damalige Ablass der drei Grossbanken wirkt im Vergleich zur Einzelstrafe der UBS im Libor-Fall wie ein Schnäppchen.

Das Fehlen grosser Figuren setzt sich in Bern fort. Beim Regulator sitzen Ex-UBS-Cracks mit belastender Vergangenheit. Im Krisenfall sind sie gelähmt.

Dem Bundesrat schliesslich fehlt der Durchblick. Er setzt auf Mathematiker wie Staatssekretär Michael Ambühl, der sich als unfähiger Dealmaker entpuppt.

Das komplette Versagen auf allen Stufen – Regierung, Regulator, UBS – machte die Schweiz zur trägen Gans, die geschlachtet und ausgenommen werden konnte. Auf dem Weg dazu ist die heutige Libor-Strafe der Tiefpunkt.

Was tun?

Appeasement hat den Finanzplatz in die Sackgasse geführt. Jetzt sind Spikes an den Ellbogen gefragt. Sergio Ermotti machte es im Frühling vor.

Mag sein, dass Widerstand nicht mehr viel nützt. Doch nur schon für die Psychohygiene der Alpenrepublik ist es ab jetzt die einzig richtige Strategie.

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